Cover: KAMERA - Softness
6/8
mix1 Bewertung

KAMERA bringt mit "Softness" soulful Electro-Pop

KAMERA kommt mit „Softness“ um die Ecke und macht direkt klar: Hier geht’s nicht um den nächsten schnellen Poptrack, sondern um ein Gefühl, das sich langsam aufbaut und hängen bleibt. Schon die ersten Sekunden wirken wie ein leiser Sog – warme Synths, ein sanfter Groove und diese Stimme, die eher erzählt als performt. Wenn dann dieses „Hör mal bitte zu, Daddy!“ reinrutscht, ist man direkt drin im Film. Kein lauter Einstieg, sondern eher so, als würde jemand im Halbdunkel anfangen zu sprechen – und man merkt schnell: Zuhören lohnt sich.

Inhaltlich dreht sich alles um ein Thema, das im Pop oft groß angekündigt wird, hier aber ziemlich entspannt rüberkommt: Verletzlichkeit als Stärke. „Du bist der hot shit, wenn du soft bist“ klingt erstmal fast wie ein Insider-Spruch, trifft aber genau den Kern. KAMERA stellt dieses klassische Bild von Härte einfach auf den Kopf und macht daraus was Neues. Besonders spannend ist die „Daddy“-Perspektive im Song – weniger Klischee, mehr Reflexion darüber, wie Prägung funktioniert und wie man sie durchbrechen kann. Das wirkt nicht belehrend, sondern eher wie ein Gedanke, den man nebenbei aufschnappt und später nochmal durchgeht.

Soundmäßig bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen soulful Indie-Pop und elektronischem Experiment – aber ohne dabei verkopft zu wirken. Man hört Einflüsse von Leuten wie Marvin Gaye oder David Bowie raus, aber auch diesen leicht rohen Hip-Hop-Vibe und die detailverliebte Elektronik. Alles greift ineinander, nichts wirkt zufällig. KAMERA, aka Felix Reisel, baut sich hier seine eigene kleine Welt aus Maschinen und Emotionen – und genau das macht „Softness“ so besonders. Als erste Single von „Cyborg Love“ setzt der Track die Richtung ziemlich klar: weniger glattgebügelter Pop, mehr Gefühl zwischen Kabeln, Beats und echten Gedanken.

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