Fünf Jahrzehnte Bandgeschichte und kein bisschen leise: Karussell feiern ihr 50-jähriges Jubiläum – und das fühlt sich weniger nach Rückblick, sondern eher nach einem ziemlich lebendigen Kapitel an. Gegründet in Leipzig von Wolf Rüdiger Raschke und Reinhard „Oschek“ Huth, gehörte Karussell schnell zu den Bands, die in der DDR mehr wollten als nur Hits liefern. Statt einfacher Parolen gab’s Texte mit doppeltem Boden, geschrieben unter anderem von Kurt Demmler, die oft erst beim zweiten Hören ihre eigentliche Schärfe zeigten. Zwischen den Zeilen lesen war für Fans kein Bonus, sondern Pflicht – und genau das machte den Reiz aus. Musikalisch bewegte sich die Band dabei immer eigenständig, mit einem Sound, der sich bewusst von der Masse abgrenzte.
Die frühen Jahre waren geprägt von starken Alben und einem vollen Tourkalender quer durch Europa und darüber hinaus. Spätestens mit „Als ich fortging“, komponiert von Dirk Michaelis, wurde ein Song geschaffen, der bis heute nachhallt. Doch wie bei vielen DDR-Rockbands kam mit der Wende der Bruch. Plötzlich war der Markt offen, internationale Musik überall verfügbar – und für viele heimische Acts wurde es eng. Karussell verschwand für lange Zeit von der Bildfläche. Erst Jahre später kam Bewegung rein, als Joe Raschke, Sohn des Gründers, das Comeback anstieß. Mit frischem Line-up und neuem Frontmann-Sound wurde aus Nostalgie kein Stillstand, sondern ein echter Neustart.
Seitdem läuft das Karussell wieder – und zwar ziemlich rund. Neue Alben, Filmprojekte und eine Bühnenpräsenz, die zeigt, dass hier mehrere Generationen zusammen Musik machen, nicht nebeneinander. Mit dem aktuellen Release „Karussell-50 Jahre“ wird genau das gefeiert: Vergangenheit trifft Gegenwart. Einige Klassiker wurden neu aufgenommen, darunter auch „Autostop“, ein Song, der schon damals mit einem Augenzwinkern gesellschaftliche Muster kommentierte und heute fast überraschend aktuell wirkt. Dass inzwischen mit Moritz Pachale auch die nächste Generation auf der Bühne steht, passt ins Bild: Diese Band lebt nicht nur von ihrer Geschichte, sondern davon, sie weiterzuschreiben. Und genau deshalb wirkt dieses Jubiläum nicht wie ein Abschluss, sondern eher wie ein Zwischenstopp.