Kevin Peters feiert mit „Lattenstramm“ weiter
Nach zwei bisherigen Veröffentlichungen geht Kevin Peters nun in die dritte Single-Runde. „Lattenstramm“ bleibt konsequent im Ballermann- und Partyschlager, ohne lange um das Thema herumzureden: Es geht um lange Nächte, Freunde, volle Gläser und einen Pegel, der nach Möglichkeit nicht in Richtung Mineralwasser absacken soll. Das Ganze nimmt sich hörbar nicht zu ernst. Schon der Titel verrät schließlich, dass hier keine komplizierte Geschichte mit zwölf Nebenfiguren erzählt wird. Stattdessen landet Peters direkt an der Theke und beschreibt jene Partynächte, bei denen irgendwann niemand mehr genau weiß, wer eigentlich die nächste Runde bestellt hat. Musikalisch bekommt dieses Szenario einen treibenden Beat, große Chöre und eine bewusst einfach gehaltene Hook. Gerade die Chöre passen zum Konzept des Stücks: „Lattenstramm“ ist nicht als stilles Kopfhörerprogramm für den Sonntagmorgen gedacht, sondern als Nummer, bei der möglichst viele Stimmen gleichzeitig einsteigen können. Club, Theke oder Mallorca-Party bilden entsprechend den Rahmen, in dem der Song funktionieren soll. Inhalt und musikalischer Aufbau verfolgen damit dasselbe Ziel. Wenige Umwege, schnell erfassbare Zeilen und ein Refrain, für den niemand erst den Textzettel aus der Tasche ziehen muss.
Den entscheidenden Job übernimmt das „Lala Lattenstramm“ im Refrain. Mehr braucht es an dieser Stelle tatsächlich nicht. Die Wortfolge ist kurz, rhythmisch leicht zu greifen und bereits nach dem ersten Durchlauf verständlich. Genau diese Art von Hook gehört zum Handwerkszeug des Partyschlagers, weil sie auch in einer lauten Umgebung funktionieren muss. Bei Kevin Peters kommt dazu eine eingängige Melodieführung, während Beat und Chöre das Stück auf gemeinsames Mitsingen auslegen. Vor allem live soll „Lattenstramm“ seine Wirkung entfalten. Das erklärt auch, warum die Produktion nicht mit unnötigen inhaltlichen Schlenkern arbeitet. Der Song braucht Platz für Stimmen aus dem Publikum und einen Refrain, der selbst dann noch sitzt, wenn die Nacht schon ein paar Stunden älter geworden ist. Produziert wurde die Single von Stephan Weidenbrück. Damit ist zumindest auf technischer Seite ein konkreter Name hinter der Veröffentlichung bekannt; weitere Angaben zu Studio, beteiligten Musikern oder einzelnen Produktionsschritten liegen nicht vor. Inhaltlich bleibt Peters derweil dicht an einer klassischen Feierabendfrage, die im Partyschlager vermutlich etwas anders beantwortet wird als im Büro: Gehen wir heim oder nehmen wir noch einen? „Lattenstramm“ entscheidet sich wenig überraschend für Variante zwei. Freunde und gemeinsames Feiern bilden den roten Faden, der Pegel gehört zur Pointe. Der Text behandelt das Thema mit Augenzwinkern statt mit komplizierter Dramaturgie.
Für Kevin Peters schließt die dritte Single an „Vollgas im Kopf“ an und führt seinen bisherigen Weg im modernen Ballermann- und Partyschlager weiter. Entscheidend ist dabei weniger eine stilistische Kehrtwende als die klare Ausrichtung auf Situationen, in denen ein Song innerhalb weniger Sekunden verstanden werden muss. Wer vor einer vollen Theke oder auf einer Mallorca-Party erst drei Strophen Analyse benötigt, hat vermutlich ohnehin gerade andere Probleme. „Lattenstramm“ hält die Einstiegshürde deshalb niedrig: treibender Rhythmus, Chöre, kompakte Hook und ein Thema, das ohne Übersetzung im Partybetrieb ankommt. Der Refrain übernimmt den größten Wiedererkennungswert, während die Geschichte bewusst nah an typischen Szenen einer langen Nacht bleibt. Freunde sind dabei, gefeiert wird ausdauernd, der Alkoholpegel spielt eine ziemlich offensichtliche Nebenrolle mit Tendenz zur Hauptrolle. Mehr Handlung behauptet der Song auch gar nicht. Das ist für die Einordnung wichtig, denn Peters versucht hier nicht, aus einer Partynummer plötzlich großes Erzählkino zu machen. Die Funktion ist klar umrissen: mitsingen und gemeinsam feiern. Nach „Vollgas im Kopf“ bleibt Kevin Peters somit in dem musikalischen Feld, das bereits seine vorherige Veröffentlichung geprägt hat. Produzent Stephan Weidenbrück verantwortet diesmal den Sound hinter einer Nummer, deren auffälligstes Element schon sprachlich kaum komplizierter sein könnte: „Lala Lattenstramm“. Für eine Partynacht ist das vermutlich genau die Textmenge, die zu später Stunde noch zuverlässig abrufbar bleibt.