Der nächste Vorbote von „
KITSCHKRIEG ZWEI“ ist da – und er kommt mit ordentlich Gefühl im Gepäck. Auf „Sommerregen“ treffen Domiziana und MilleniumKid auf den typischen KITSCHKRIEG-Sound, der gleichzeitig melancholisch und tanzbar wirkt. Der Track fühlt sich ein bisschen an wie eine warme Nacht, in der plötzlich ein leichter Schauer runterkommt: verträumte Synths, pulsierende Beats und diese Mischung aus Sehnsucht und Euphorie, die sofort hängen bleibt. Statt klassischem Deutschrap-Pattern setzen Fizzle und Fiji Kris hier weiter auf ihren neuen Elektro-Vibe – four-to-the-floor, clubbig, aber trotzdem emotional. Man merkt: Die Reise von Berlin über die USA und wieder zurück hat Spuren hinterlassen. Der Sound ist größer geworden, internationaler, ohne die typische KITSCHKRIEG-DNA zu verlieren.
Das kommende Album zeigt ziemlich deutlich, wie sehr sich das Produzenten-Duo in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Nachdem sie hierzulande schon fast alles abgeräumt hatten – Charts, Platinplatten und Kollabos von Pop bis Rap – zog es sie über den Atlantik. Dort arbeiteten sie unter anderem mit Future und Mariah The Scientist und bauten sich langsam ein neues Kapitel auf. Statt einfach Trends zu kopieren, entwickelten sie einen eigenen elektronischen Ansatz. Inspiration kommt von Kraftwerk, von den Berliner Clubnächten und von UK-Rave-Sounds. Auf „KITSCHKRIEG ZWEI“ trifft dieser Stil auf eine Generation deutscher Artists, die mit frühen KK-Songs aufgewachsen ist. Die neue Platte funktioniert dabei fast wie ein DJ-Set: Tracks gehen ineinander über, Stimmungen wechseln, Stimmen tauchen auf und verschwinden wieder. Inhaltlich dreht sich vieles um Beziehungen, um Nähe und Distanz, um das Risiko, Gefühle zuzulassen – selbst wenn man weiß, dass alles auch schiefgehen kann.
Zum Album gehört außerdem ein Visual-Konzept, das deutlich zeigt, wie wichtig Ästhetik für KITSCHKRIEG geworden ist. Parallel zur Musik erscheint ein Performance-Film, der wie ein stylischer Rave inszeniert ist. Mittelpunkt ist das massive Killasan Soundsystem, bekannt aus einer Installation in der Berliner König Galerie. Die Bühne bleibt minimalistisch, der Fokus liegt komplett auf Sound, Licht und Performance. Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Szenen kommen dort zusammen, fast wie bei einer musikalischen Jam-Session ohne Ego-Show. Das Ganze wirkt irgendwo zwischen Kunstinstallation und Clubnacht – reduziert, aber mit viel Wirkung. Mit diesem Ansatz unterstreichen KITSCHKRIEG noch einmal ihre Idee von Zusammenarbeit: weniger Show, mehr Substanz. Und genau daraus entsteht die Energie, die auch „Sommerregen“ antreibt.