LAUTSTÆRKE haben auf „DÆMMERUNG“ keine Lust auf Schubladen – und offenbar auch nicht auf das klassische „starker Opener, Rest egal“. Stattdessen bauen die Nordrhein-Westfalen ein Album wie einen Tagesverlauf: erst Fahrtwind, später Flutlicht, am Ende Neonreste auf nassem Asphalt. Das ist ambitioniert, manchmal übervoll, aber bemerkenswert konsequent.
„Zug“ startet genau richtig: zunächst luftig, dann schiebt sich ein Synth-Schimmer ins Bild, bevor Gitarren und Rhythmusgruppe das Ganze in einen energischen Alternative-Drive ziehen. Hier sitzt das Arrangement: Spannungswechsel, Breaks, kleine Widerhaken – alles wirkt gewollt, nicht zufällig. „Unfassbar“ zieht das Tempo an und verpackt Betrug und Gegenangriff in knappen Punkrock mit Akustik-Intro: direkt, nicht weinerlich, und mit einem Refrain, der sich festkrallt. „Leben“ stellt die Sinnfrage ohne Philosophie-Seminar, dafür mit groovender Midtempo-Statik und funkigen Kanten.
Die helle Albumhälfte funktioniert über Pop-Appeal und Sommer-Optik: „Aus Sand“ kippt Idylle in Instabilität, „Strand“ macht daraus einen Ohrwurm, der eher nach Urlaubsfoto als nach Stadionfackel riecht. „Schöner Tag“ dreht die Laune dann mit Druck und bissiger Attitüde um – LAUTSTÆRKE können spucken, ohne platt zu pöbeln. „Rendezvous“ karikiert Dating-Overkill angenehm pointiert, während „Anders“ als Anti-Ausgrenzungs-Statement nicht predigt, sondern behauptet.
Später wird’s dunkler und stärker erzählerisch: „Kompass“ arbeitet mit innerer Blockade, „Aufzug“ ist der ironische Übergang in die Nachtseite, „Nacht“ liefert den vorab ausgekoppelten Uptempo-Trip zwischen kosmischem Staunen und Selbstabrechnung. „Verfolgt von dir“ spielt Thriller im Proberaum – klaustrophobisch, effektiv. Und wenn „Alles Ohne Dich“ am Ende die Leere ausbuchstabiert, wirkt das wie der Abspann nach einem langen, dicht geschnittenen Film.
Einziger Haken: 19 Tracks sind eine Menge, und nicht jeder Übergang zündet maximal. Trotzdem: „DÆMMERUNG“ hat Format, Hooks und Haltung – und zeigt eine Band, die sich hörbar weiter nach vorn arbeitet.