Cover: Lia Pale - Woman & I
7/8
mix1 Bewertung
Album

Woman & I

Lia Pale

Label: Supreme Music Group
Kategorie: Pop | Pop / Jazz
Veröffentlichung: 29.05.2026

Bestelllinks erscheinen in der Regel am Veröffentlichungstag (29.05.2026).

„Woman & I“: Ein Album wie ein Tagebuch

Mit „Woman & I“ macht Lia Pale genau das, worauf viele schon länger gewartet haben: Sie tritt einen Schritt raus aus der Rolle der Interpretin und rein in ihre eigene Welt. Und die fühlt sich überraschend nah an. Statt großer Konzepte geht es hier um echte Momente – entstanden irgendwo zwischen Autobahnfahrten im alten Saab, einem leicht verstimmten Wurlitzer und der Frage, was eigentlich bleibt, wenn man sich musikalisch neu sortiert. Klingt erstmal nach Indie-Roadmovie, ist aber vor allem eins: ziemlich persönlich. Die Tracks wie „Woman & I“ oder „The Quiet Between“ wirken dabei nicht konstruiert, sondern eher wie aufgeschnappt – als hätte man zufällig ein offenes Fenster erwischt und hört jetzt einfach zu.

Man merkt schnell, woher Lia Pale kommt. Die Verbindung aus Jazz, Kunstlied und der Arbeit mit Mathias Rüegg schwingt überall mit, aber sie dominiert nicht mehr. Stattdessen passiert hier etwas Eigenes. Die Schatten von Franz Schubert und seiner „Winterreise“ sind noch da, aber eher wie ein fernes Echo als ein Leitmotiv. Songs wie „Falling Apart Softly“ oder „No One Knows Me Like I Do“ setzen auf klare Melodien und lassen sich Zeit. Kein unnötiger Ballast, keine überladenen Arrangements. Die Musik atmet. Gerade diese Mischung aus reduzierten Pop-Strukturen und jazziger Harmonik sorgt dafür, dass man nicht einfach nebenbei hört. Man bleibt hängen – manchmal an einer Zeile, manchmal nur an einem Klang.

Spannend wird’s auch bei der Entstehung: Zwischen Wels, Wien, Amsterdam und Den Haag gesammelt, wirkt das Album wie ein musikalisches Tagebuch ohne festen Ort. Live aufgenommen im Porgy & Bess, später weitergebaut im Studio, entsteht ein Sound, der sich nie ganz festlegt. „In Between Walls“ lebt von dieser Offenheit, während „Echoes of You“ fast schon kammermusikalisch wirkt. Die Zusammenarbeit mit Leuten wie Hue Blanes, Miloš Čolović und Ingrid Oberkanins bringt zusätzliche Farben rein, ohne den Kern zu verwässern. Am Ende bleibt kein großes Statement, sondern eher ein Gefühl: Man hat hier jemandem beim Sortieren der eigenen Gedanken zugehört – und genau das macht „Woman & I“ so stark.

Tracklist

01 Already Whole 04:42
02 Woman & I 03:28
03 Loneliest Birthday 03:58
04 Moon on a String 04:30
05 Canvas 03:04
06 Blood of the Earth 04:29
07 Red Between Green 02:41
08 Something got lost (along the way) 03:03
09 Where Do I Go from Here? 03:29
10 The Night Will Pass 03:22
11 Song for Her 04:22