LIYO verarbeitet Heartbreak und Kontrollverlust
Mit ihrer Debüt-EP „Ich will ganz laut schreien“ legt LIYO ein erstes größeres Ausrufezeichen vor. Die in Berlin geborene und heute in Köln lebende Musikerin verbindet auf sechs Songs deutschsprachigen Indie-Pop und Rock mit einer spürbaren NDW-Dringlichkeit. Heraus kommt ein Sound, der kantig, emotional und gleichzeitig eingängig wirkt. Die Songs erzählen von Heartbreak, Wut, Freundschaft und dem Gefühl, manchmal die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Dabei bleibt LIYO nahbar und direkt. Ihre Texte schauen dorthin, wo es unbequem wird, und beschäftigen sich mit zwischenmenschlichen Konflikten ebenso wie mit gesellschaftlichen Schieflagen. Statt Probleme zu überdecken, spricht sie sie offen an und verpackt sie in eingängige Melodien und druckvolle Gitarren. Wer die EP hört, merkt schnell: Hier geht es nicht um perfekte Antworten, sondern um ehrliche Gefühle und Erfahrungen aus einer jungen Perspektive.
Schon früh stand LIYO auf Bühnen. Theaterproduktionen, Musicals und Auftritte im Friedrichstadt-Palast haben ihr Gespür für Performance geprägt. Eigene Songs schrieb sie bereits mit zwölf Jahren. Diese Erfahrung macht sich bemerkbar, denn ihre Musik lebt nicht nur von starken Texten, sondern auch von einer Präsenz, die man selbst auf Aufnahmen spürt. Zwischen Selbstironie, Drama und klaren Ansagen bewegt sie sich mühelos durch unterschiedliche Stimmungen. Die EP bündelt ihre bisherigen Veröffentlichungen wie „Laut liebst“, „Müdigkeit“, „süchtig“ und „charity work“ und zeigt dabei eine Künstlerin, die ihren Stil bereits erstaunlich klar definiert hat. Indie-Pop trifft auf Gitarrenrock, emotionale Ausbrüche auf reflektierte Beobachtungen. Das Ergebnis wirkt weder verkopft noch beliebig, sondern wie ein stimmiges Gesamtbild ihrer musikalischen Entwicklung.
Besonders deutlich wird das beim Fokus-Track „Girls Girl“. Der Song verzichtet auf einfache Parolen und nähert sich dem Thema weibliche Solidarität aus einer differenzierten Perspektive. Statt einer klassischen Hymne beschäftigt sich LIYO mit Konkurrenzdenken, dem Einfluss des männlichen Blicks und der Frage, wie Frauen miteinander umgehen, wenn sie sich wirklich begegnen. Musikalisch bleibt der Titel poppig und zugänglich, inhaltlich aber angenehm bissig. Genau diese Mischung macht ihn zum zentralen Stück der EP. „Ich will ganz laut schreien“ präsentiert eine junge Künstlerin, die keine Angst vor klaren Aussagen hat und ihre Gedanken mit Nachdruck transportiert. Die sechs Songs zeigen, dass LIYO längst mehr ist als ein vielversprechender Newcomer-Name. Sie bringt Haltung, Energie und eine eigene Handschrift mit, die neugierig auf die nächsten Kapitel ihrer musikalischen Reise macht.
Tracklist
01 Girls Girl
02 Laut liebst
03 suechtig
04 Charity Work
05 Muedigkeit
06 Cappy