Lukas Graham schaut auf „Good Times“ weit zurück – bis in seine Kindheit in Christiania. Genau dort, in der freigeistigen Gemeinde mitten in Kopenhagen, liegen einige der musikalischen Wurzeln, die für das neue Album wieder relevant werden. Lukas wuchs in einem Elternhaus auf, in dem tourende Folk-Musiker ein und aus gingen. Sie brachten jene irischen Musiktraditionen mit, die sein Vater liebte. Für „Good Times“ greift der Grammy-nominierte Multi-Platin-Künstler diese frühen Einflüsse wieder auf. Folk-Instrumentierung und erzählerisch angelegte Songs treffen auf eingängige Pop-Hooks, während die Texte eng mit persönlichen Erfahrungen verbunden bleiben. Das ist keine beliebig aufgesetzte Roots-Kulisse, sondern hat einen ziemlich direkten biografischen Bezug. Zugleich wirft Lukas Graham nicht über Bord, was seine Musik während der vergangenen Jahre geprägt hat. Melodie und ein ausgeprägtes Gespür für Pop bleiben wichtige Bestandteile. Neu beziehungsweise wieder stärker hörbar ist die Verbindung zu jener Folk-Kultur, die Lukas lange vor internationalen Charts, Awardshows und großen Tourneen kennengelernt hat. „Good Times“ führt damit an einen Punkt zurück, der deutlich vor dem weltweiten Erfolg von „7 Years“ liegt.
Entstanden ist das Album nicht in Kopenhagen, sondern in Nashville und New York. Dort arbeitete Lukas mit einer wechselnden Gruppe von Musikern – eine Konstellation, die durchaus zum Folk-Gedanken hinter den Songs passt. Im Zentrum steht weniger eine starre Studiobesetzung als das gemeinsame Spielen und Erzählen. Gerade die Instrumentierung greift Elemente aus Lukas’ früher musikalischer Prägung auf. Sein irisches Erbe bekommt dabei eine wichtige Rolle. Die Verbindung dazu entstand schon früh über seinen Vater und über die Musiker, die im Elternhaus der Familie zu Gast waren. „Good Times“ knüpft deshalb an Erinnerungen an, die nicht erst mit Lukas Grahams professioneller Karriere beginnen. Das Album beschreibt gewissermaßen zwei geografische Linien: Aufgenommen wurde zwischen Nashville und New York, seine gedanklichen Koordinaten reichen jedoch von Christiania bis nach Irland. Dazwischen liegt eine Karriere, die längst internationale Dimensionen angenommen hat. Besonders „7 Years“ veränderte die Größenordnung erheblich. Die Single erreichte in den USA Diamantstatus der RIAA und machte Lukas Graham weltweit bekannt. Dass er nun Folk stärker ins musikalische Bild rückt, wirkt vor diesem Hintergrund nicht wie ein Genrewechsel, sondern wie das erneute Aufgreifen einer bereits vorhandenen Grundlage.
Seit „7 Years“ hat Lukas Graham ein Jahrzehnt mit Multi-Platin-Erfolgen und ausverkauften Tourneen durch Europa, Nordamerika und Asien hinter sich. Dazu kamen Auftritte bei den Grammy Awards, den MTV VMAs und in „Good Morning America“. „Good Times“ entsteht also aus einer völlig anderen Lebens- und Karriereposition als die Musik, mit der seine Folk-Prägung ursprünglich begann. Genau diese Distanz macht den Hintergrund des Albums interessant. Lukas versucht nicht, seine frühen Jahre künstlich nachzustellen. Stattdessen nimmt er Elemente wieder auf, die bereits da waren, bevor ein internationales Publikum seinen Namen kannte: Geschichten, Folk-Instrumente, irische Traditionen und die musikalische Gemeinschaft seiner Kindheit. Persönliche Texte bleiben ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil. Nur bekommen sie diesmal eine andere klangliche Umgebung. Zwischen Pop-Hooks und Roots-Musik entsteht so eine direkte Verbindung von Christiania zu den Sessions in Nashville und New York. Nach all den Tourneen, Platin-Auszeichnungen und großen Fernsehauftritten führt „Good Times“ damit ausgerechnet zu einem ziemlich kleinen Ausgangspunkt: einem Elternhaus in Kopenhagen, in dem reisende Folk-Musiker ihre Instrumente auspackten und ein Junge zuhörte.