Cover: Mackefisch - Lebensabend
6/8
mix1 Bewertung
Single

Lebensabend

Mackefisch

Label: brot records
Kategorie: Pop | Liedermacher
Veröffentlichung: 10.04.2026

Mackefisch: "Lebensabend" mit Social-Media-Seitenhieb

Man stellt sich den Lebensabend ja gern ein bisschen romantischer vor: Sonnenuntergang, innerer Frieden, vielleicht ein Glas Wein – und dieser eine Satz, den alle gern sagen würden: „Ich bereue nichts.“ Genau da setzt das Duo Mackefisch an und dreht die ganze Nummer einmal charmant auf links. Denn statt großer Lebensweisheiten gibt’s hier erstmal eine ziemlich ehrliche Abrechnung mit sich selbst – und, sagen wir’s wie es ist, mit der eigenen Bildschirmzeit. Der Text startet fast pathetisch, nur um dann ganz trocken in die Realität zu crashen: zu viel Facebook, falsche Prioritäten und die späte Erkenntnis, dass man vielleicht doch die falschen digitalen Partys besucht hat. Das ist gleichzeitig witzig, ein bisschen schmerzhaft und vor allem ziemlich nah dran am echten Leben.

Genau dieser Mix ist das, was Mackefisch ausmacht. Die beiden aus Mannheim bewegen sich irgendwo zwischen Indie-Pop, Chanson und einer guten Portion musikalischem Augenzwinkern. Klingt erstmal wild, funktioniert aber erstaunlich gut. Ihre Songs leben von diesen kleinen Beobachtungen, die jeder kennt, aber selten so auf den Punkt bringt. Dazu kommt eine Instrumentierung, die nicht geschniegelt daherkommt, sondern eher nach „Wir bauen uns das selbst, weil wir’s können“ klingt – inklusive Koffer-Drums und allem, was sonst noch Geräusche macht. Das gibt dem Ganzen einen angenehm handgemachten Vibe, der perfekt zu den Texten passt. Und während man noch über die Pointe mit Instagram und TikTok schmunzelt, merkt man plötzlich: Da steckt mehr Wahrheit drin, als einem vielleicht lieb ist.

„Lebensabend“ ist damit mehr als nur ein lustiger Song über Social Media und verpasste Chancen. Es ist so eine kleine Erinnerung daran, wie schnell man sich im Alltag verzettelt – und wie absurd manche Prioritäten im Rückblick wirken. Aber statt erhobenem Zeigefinger gibt’s hier lieber Humor und Selbstironie. Genau das macht den Track so angenehm: Er will nicht belehren, sondern eher sagen „Hey, wir sitzen alle im selben Boot“. Und vielleicht ist das ja am Ende die eigentliche Botschaft – dass man nicht perfekt gelebt haben muss, um trotzdem mit einem halbwegs guten Gefühl zurückzuschauen. Oder zumindest mit einem Lächeln.

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