Cover: Magdalena Wawra - ICH BIN VIELE
6/8
mix1 Bewertung
Album

ICH BIN VIELE

Magdalena Wawra

Label: unserallereins
Kategorie: Pop | Pop national
Veröffentlichung: 17.04.2026

„ICH BIN VIELE“: Magdalena Wawra liefert Indie-Pop mit Haltung

Magdalena Wawra macht auf „ICH BIN VIELE“ keine halben Sachen. Statt geschniegelt-produzierter Indie-Pop-Formeln gibt’s hier ein Album, das sich traut, Ecken zu haben – und die auch nicht glattzubügeln. Vierzehn Tracks, die sich eher wie Momentaufnahmen anfühlen als wie sauber geplante Kapitel. Es geht um Identität, um das ständige Dazwischen, um Fragen, die nicht unbedingt Antworten brauchen. Klingt erstmal schwer, fühlt sich aber überraschend leicht an, weil Wawra nie den moralischen Zeigefinger hebt. Ihre Songs wirken wie Gespräche, die nachts entstehen, wenn man eigentlich längst schlafen sollte, aber der Kopf einfach nicht still ist.

Soundtechnisch passiert hier einiges: Gitarren, die mal flirren, mal zurückgenommen sind, dazu eine Produktion, die bewusst nicht geschniegelt wirkt. Man hört, dass hier Banddynamik auf Studio-Spielereien trifft – und genau das macht den Reiz aus. Die Arrangements lassen Luft, statt alles zuzupflastern. Wawras Stimme steht dabei klar im Zentrum, ohne sich aufzudrängen. Sie trägt die Songs eher wie eine Erzählerin als wie eine klassische Pop-Frontfrau. Besonders stark sind die Momente, in denen sich alles ein bisschen auflöst: wenn Rhythmen kippen, Harmonien sich verschieben und man kurz das Gefühl hat, der Song könnte jeden Moment in eine andere Richtung abbiegen. Tut er manchmal auch – und genau das hält das Ganze spannend.

Inhaltlich bleibt „ICH BIN VIELE“ angenehm offen. Es geht um Selbstbehauptung, aber nicht im Sinne von „Ich hab alles im Griff“, sondern eher als ehrliches Eingeständnis, dass man sich selbst oft widerspricht. Diese Ambivalenz zieht sich durch das ganze Album. Wawra schafft es, persönliche Erfahrungen so zu formulieren, dass sie gleichzeitig etwas Allgemeines transportieren. Man fühlt sich abgeholt, ohne dass einem etwas übergestülpt wird. Das ist selten im deutschsprachigen Indie-Pop, der sich manchmal zu sehr zwischen Ironie und Pathos verliert. Hier gibt’s stattdessen eine klare Haltung: Gefühle dürfen kompliziert sein. Und man muss sie nicht immer komplett verstehen, um sie ernst zu nehmen. Genau darin liegt die Stärke dieses Albums – es will nicht alles erklären, sondern einfach da sein.

Tracklist

01 Intro 01:12
02 Orangenbäume 02:05
03 Petermännchen 03:32
04 Mensch 02:52
05 Muss weh tun 02:41
06 Frank Ocean Magdalena Wawra & Malvin 03:19
07 Alles ist gut Magdalena Wawra & Spilif 02:36
08 Interlude 01:39
09 Neongrün & Rosarot 03:02
10 Kann sein, dass das Liebe ist 02:45
11 Lieber sterben 02:52
12 Ich bin viele Magdalena Wawra & Mola 03:13
13 Reprise 02:34