Cover: Marc Ess - Total verrückt
7/8
mix1 Bewertung

„Total verrückt“: Marc Ess über Liebe und Träume

Das Leben hält sich bekanntlich nur mäßig zuverlässig an Pläne. Begegnungen passieren ungefragt, aus kleinen Augenblicken werden wichtige Erinnerungen und manchmal nimmt eine Geschichte eine Kurve, die morgens noch niemand auf dem Zettel hatte. Genau dort setzt Marc Ess mit seiner Single „Total verrückt“ an. Der Song beschäftigt sich mit dem Leben, der Liebe und den Träumen, die Menschen antreiben. Entscheidend sind dabei nicht zwingend die großen Ereignisse. Marc Ess lenkt den Blick vielmehr auf jene unscheinbaren Momente, die gemeinsam mit wichtigen Menschen plötzlich Gewicht bekommen. Ein Gespräch, eine Begegnung, ein Augenblick, der im ersten Moment gar nicht nach großer Lebensgeschichte aussieht. Der zentrale Gedanke lautet entsprechend: „Das Leben ist jetzt“. Damit bekommt der Song eine klare Perspektive. Statt ständig vorauszuplanen oder sich mit dem Morgen zu beschäftigen, geht es um die Gegenwart und darum, sie überhaupt wahrzunehmen. Träume spielen ebenso eine Rolle wie Liebe und Dankbarkeit für das, was gerade passiert. Der Titel „Total verrückt“ passt zu dieser Idee, schließlich verlaufen die interessanten Kapitel des Lebens eher selten nach Gebrauchsanweisung. Und wer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, könnte nebenbei einige ziemlich gute verpassen.

Inhaltlich konzentriert sich Marc Ess auf eine einfache Frage: Was macht einen Moment eigentlich wertvoll? Die Antwort sucht der Song nicht bei spektakulären Ereignissen, sondern in gemeinsam verbrachter Zeit und persönlichen Beziehungen. Menschen, die einem wichtig sind, verändern den Wert scheinbar gewöhnlicher Situationen. Gleichzeitig geht es darum, eigenen Träumen zu folgen und Gefühle zuzulassen, anstatt jeden Schritt danach zu beurteilen, was irgendwann daraus werden könnte. „Total verrückt“ beschreibt damit eine Haltung, bei der Zukunftsfragen für ein paar Minuten ihren Stammplatz im Kopf räumen müssen. Das Hier und Jetzt bekommt Vorrang. Liebe wird gefeiert, Träume dürfen verfolgt werden, der aktuelle Augenblick soll nicht bloß als Durchgangsstation für ein vermeintlich besseres Morgen dienen. Diese Gedanken ziehen sich konsequent durch den Song. Marc Ess erzählt von besonderen Begegnungen, großen Gefühlen und kleinen Momenten, aber eben auch von unerwarteten Wendungen. Gerade diese Mischung gehört zur Grundidee: Leben lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Man kann allerdings entscheiden, ob man den jeweiligen Moment bewusst erlebt oder gedanklich schon drei Wochen weiter ist. Der Song plädiert klar für Variante eins. Das klingt zunächst unkompliziert, ist im Alltag aber vermutlich die schwierigere Disziplin.

„Total verrückt“ richtet den Blick deshalb weniger auf ein konkretes Ereignis als auf eine ganze Reihe alltäglicher Erfahrungen. Liebe, persönliche Träume, Dankbarkeit und gemeinsame Zeit bilden die thematischen Eckpunkte. Der schönste Moment ist nach dieser Logik nicht automatisch der große Höhepunkt, auf den alles zuläuft. Es kann genauso gut der sein, der gerade passiert. Marc Ess macht daraus einen Song über bewusstes Erleben und die Bereitschaft, Gefühle nicht vorsorglich auf später zu verschieben. Auch der Gedanke, den eigenen Weg zu gehen, gehört dazu. Wer seinen Träumen folgt, muss schließlich akzeptieren, dass nicht jede nächste Station vorhersehbar ist. Die Veröffentlichung übernimmt Fiesta Records unter Andreas Rosmiarek. Damit bekommt „Total verrückt“ einen Rahmen, der den zentralen Satz des Songs ziemlich passend ergänzt: Das Leben findet nicht irgendwann statt. Es läuft bereits. Zwischen Arbeit, Plänen, Terminen und der ewigen Frage, was als Nächstes kommt, geraten die kleinen Augenblicke leicht unter die Räder. Marc Ess dreht diese Gewichtung um und schaut bewusst auf Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen. Keine komplizierte Lebensphilosophie, eher eine Erinnerung daran, den gegenwärtigen Moment nicht ständig gegen eine mögliche Zukunft einzutauschen. Denn morgen kommt ohnehin. Was es mitbringt, hält sich erfahrungsgemäß sowieso nicht immer an den Kalender.

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