Maria Ria: „Turning Red“ zwischen Scham und Begehren
Anna Hirsch hat mit Maria Ria ein neues musikalisches Alter Ego geschaffen, bei dem Selbstbestimmung, Begehren und Selbstbewusstsein eng zusammenliegen. Die Texte wechseln zwischen Englisch, Spanisch, Italienisch und Schwyzerdütsch, während Synths, Clubbeats, Fieldrecordings und experimentelle Sounds den Rahmen bilden. Auch bei den Vocals gibt es keine feste Komfortzone: zarter Gesang kann ziemlich schnell in eine bestimmte Ansage kippen.
Die erste Single „Turning Red“ kündigt zugleich das Debüt „An Angel Turning Red“ an. Maria Rias rhythmischer Gesang wirkt beinahe atemlos, die Synths erinnern an ein aufheulendes Motorrad. Dazu kommt ein Bass, dessen Klangästhetik Assoziationen zu Arca oder Rosalía weckt. Viel Material braucht der Track dafür nicht. Gerade die reduzierte Konstruktion aus harten Beats, Stimme und prägnanten Sounds lässt Platz für das Kopfkino. Inhaltlich geht es um Weiblichkeit, Lust und Widerstand – tanzbar nach Mitternacht, aber mit genügend Vorwärtsdrang für die morgendliche Laufrunde.
Ausgangspunkt des Songs ist das Rotwerden. Normalerweise gilt die körperliche Reaktion als ziemlich zuverlässiger Begleiter von Scham und Verlegenheit. Maria Ria dreht diese Bedeutung um: Rot anzulaufen wird zum Zeichen dafür, dass etwas Spannendes beginnt. Ausgerechnet der Moment, den man gern überspielen oder verstecken würde, markiert hier den Start einer Veränderung. Humor gehört genauso dazu wie Verführung und Dringlichkeit. Das Motorengeräusch passt deshalb ziemlich gut ins Bild: Maria Ria steht nicht verschämt am Straßenrand, sondern hat den Gang längst eingelegt.
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