Mit seinem neuen Album Camino liefert Markus Zosel genau das, was man von ihm erwartet – und trotzdem fühlt es sich überraschend frisch an. Wer denkt, Folk und Singer-Songwriter seien immer gleich gestrickt, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Zosel kombiniert akustische Wärme mit einem Hauch von orchestraler Tiefe, ohne dabei verkopft zu wirken. Stattdessen klingt alles ziemlich organisch, fast so, als würde man ihm direkt im Wohnzimmer beim Spielen zuhören. Seine zwölfsaitige Gitarre ist dabei nicht nur Begleitung, sondern fast schon Erzählerin. Und genau darum geht’s: Geschichten. Keine großen Effekthaschereien, sondern ruhige, ehrliche Songs, die sich Zeit nehmen.
Dass Zosel schon früh angefangen hat, Musik zu machen, hört man. Da ist dieses Gespür für Melodien, die hängen bleiben, ohne sich aufzudrängen. Gleichzeitig merkt man seine klassische Ausbildung – aber nicht im Sinne von „schaut mal, wie kompliziert ich kann“, sondern eher als solides Fundament. Streicher-Arrangements tauchen dezent auf, Klavierparts geben den Songs zusätzliche Tiefe. Und trotzdem bleibt alles zugänglich. Inhaltlich bewegt er sich irgendwo zwischen introspektiven Momenten und kleinen Alltagsbeobachtungen, die plötzlich größer wirken, als sie eigentlich sind. Seine Texte haben fast literarische Qualität, was kein Zufall ist: Zosel bewegt sich seit Jahren zwischen Musik und Schreiben. Dieses Zusammenspiel macht „Camino“ zu mehr als nur einem weiteren Album – es ist eher wie ein kleines Hörbuch mit Soundtrack.
Spannend ist auch, wie konsequent er sein eigenes Ding durchzieht. Während viele Artists versuchen, sich Trends anzupassen, wirkt Zosel komplett unabhängig davon. Vielleicht liegt das auch daran, dass er lange unterrichtet hat und Musik nie nur als Business gesehen hat. Diese Haltung hört man. Alles klingt entschleunigt, fast schon bewusst gegen den schnellen Streaming-Konsum gedacht. Und trotzdem funktioniert es genau deshalb auch auf Plattformen wie Spotify oder Apple Music. Wer sich darauf einlässt, bekommt keine schnellen Hits, sondern Songs, die mit jedem Hören wachsen. Ergänzt wird das Ganze durch seine Podcasts, in denen er ziemlich offen über seinen kreativen Prozess spricht – fast wie ein Blick hinter die Kulissen eines Songwriters, der einfach macht, worauf er Lust hat. „Camino“ fühlt sich am Ende weniger wie ein Ziel an, sondern eher wie ein Weg, auf dem man gern ein Stück mitläuft.