Cover: Medium Build - King of Having Fun
7/8
mix1 Bewertung

Medium Build: 14 neue Songs auf „King of Having Fun“

Hinter Medium Build steht Nick Carpenter, doch „King of Having Fun“ ist alles andere als eine Ein-Mann-Angelegenheit. Für sein erstes vollständiges Studioalbum seit „Country“ versammelte der US-amerikanische Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist einige seiner engsten Freunde und langjährigen Weggefährten um sich. 14 neue Songs entstanden in dieser Konstellation. Musical Director Paul Rogers, Engineer Jimmy Manfield und Jake LiBassi gehörten zu den Beteiligten, mit denen Carpenter das Material live im Studio einspielte. Das ist ein wichtiges Detail, weil die persönliche Nähe der Musiker nicht nur eine Randnotiz zur Besetzung bleibt. Sie passt ziemlich genau zu den Themen der Platte. Carpenter beschäftigt sich mit Erfahrungen und Herausforderungen, vor allem aber mit Menschen, die sein Leben geprägt haben. Statt diese Beziehungen ausschließlich über Konflikte, Unsicherheiten oder ihre komplizierten Seiten zu erzählen, verschiebt er diesmal den Blick. Auf „King of Having Fun“ finden sich erstmals ganz direkte Liebeserklärungen an wichtige Personen in seinem Umfeld. Für einen Songwriter, der Beziehungen bislang gerne dort beobachtet hat, wo es knirscht, ist das durchaus eine Veränderung. Offenbar darf man Menschen gelegentlich auch einfach mögen, ohne ihnen vorher drei Strophen lang ihre Kommunikationsprobleme vorzuhalten.

Dass Carpenter diese Songs ausgerechnet gemeinsam mit engen Freunden live im Studio aufnahm, gibt dem Entstehungsprozess eine zusätzliche Ebene. Rogers, Manfield und LiBassi waren keine kurzfristig zusammengestellte Studiobesetzung, sondern gehören zu seinem vertrauten musikalischen Umfeld. Dadurch treffen Inhalt und Arbeitsweise ziemlich direkt aufeinander: Carpenter schreibt über Menschen und persönliche Bindungen, während er die Stücke mit Musikern einspielt, zu denen selbst eine langjährige Verbindung besteht. Über konkrete Instrumente, Aufnahmeverfahren oder weitere technische Details liegen keine Informationen vor, weshalb sich aus dem Live-Ansatz kein bestimmtes Klangbild ableiten lässt. Fest steht dagegen, dass Carpenter für „King of Having Fun“ nicht jede Spur isoliert im Alleingang zusammengebaut hat. Das gemeinsame Spielen war Teil des Prozesses. Gleichzeitig bleibt die Perspektive klar bei ihm. Als Medium Build verarbeitet Carpenter auf den 14 Titeln eigene Erfahrungen, blickt auf schwierige Phasen und fragt danach, welche Personen auf seinem bisherigen Weg Spuren hinterlassen haben. Gerade die direkten Liebeserklärungen markieren innerhalb seines Songwritings einen neuen Punkt. Beziehungen verschwinden nicht als Thema, ihre Betrachtungsweise verändert sich jedoch. Wo frühere Stücke häufig Komplikationen Raum gaben, können Zuneigung und Wertschätzung diesmal ohne den üblichen Umweg ausgesprochen werden. Das klingt zunächst nach einer kleinen Verschiebung, sagt über eine Platte mit stark persönlichem Ausgangspunkt aber einiges aus.

„King of Having Fun“ folgt damit nicht einfach dem Muster, nach „Country“ möglichst schnell den nächsten Stapel Songs nachzulegen. Carpenter hat für das Album einen klar umrissenen Kreis von Menschen in den Entstehungsprozess geholt und denselben Gedanken in die Texte getragen. Freundschaft, Beziehungen und prägende Begegnungen tauchen nicht als abstrakte Themen auf, sondern sind eng mit seiner eigenen Biografie verknüpft. Gleichzeitig gehören Herausforderungen und andere Erfahrungen weiterhin zu dem Material, aus dem Medium Build seine Songs baut. Nur ist der Blick diesmal nicht permanent auf die Risse gerichtet. Dass Carpenter auf diesem Album persönlicher wird als auf seinen bisherigen Veröffentlichungen, zeigt sich laut den vorliegenden Informationen gerade darin, wie unverstellt er wichtigen Menschen seine Zuneigung ausspricht. Der Titel „King of Having Fun“ bekommt vor diesem Hintergrund einen interessanten Kontrast: Hinter dem ziemlich gut gelaunten Namen steckt eine Platte, auf der Carpenter sein Umfeld und die eigene Vergangenheit genauer betrachtet. Wie die 14 Songs diese Themen musikalisch im Einzelnen verteilen, bleibt vorerst offen. Über den Entstehungsprozess lässt sich dagegen bereits einiges sagen. Gemeinsam im Studio spielen, langjährige Weggefährten einbeziehen, persönliche Geschichten nicht auf sichere Distanz halten – Carpenter hat den Kreis bewusst eng gezogen. Bei Medium Build war das eigene Leben schon vorher wichtiger Rohstoff. Auf „King of Having Fun“ gehören nun ausdrücklich auch jene Menschen dazu, ohne die dieses Leben anders verlaufen wäre.
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Tracklist

01 Every Noise Is You 01:09
02 Do Something Productive - E 02:48
03 Perceived - E 03:41
04 Bird Woman 02:04
05 Home Depot - E 03:13
06 It's Not Easy (Falling In Love) 02:26
07 Cone Off - E 03:43
08 Feed the Boys 01:50
09 In My Gut 02:53
10 Chill 03:11
11 Downpour 02:48
12 Armor - E 03:18
13 King of Having Fun - E 03:48
14 Thank You, Cook 03:33
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