Cover: Mesh - The Truth Doesn't Matter
6/8
mix1 Bewertung

Neues Mesh Album überzeugt sofort

Das Ding mit der Wahrheit ist ja so eine Sache – gerade wenn man sich durch Schlagzeilen und Timelines scrollt. Genau in diese leicht schiefe Realität stößt das britische Duo Mesh mit seinem Album The Truth Doesn't Matter. Und statt großer Parolen gibt’s hier etwas viel Effektiveres: Songs, die sich leise ins Ohr schleichen und dort fest einziehen. Der Vibe? Düster angehaucht, aber nie erdrückend. Eher so wie ein nächtlicher Spaziergang durch eine Stadt, die noch wach ist. Musikalisch mixt das Ganze Einflüsse von Giorgio Moroder über Yazoo und Depeche Mode bis hin zu Massive Attack – nur eben ohne Nostalgie-Kitsch. Alles wirkt modern, klar produziert und gleichzeitig angenehm vertraut.

Hinter dem Sound stehen Mark Hockings und Richard Silverthorn, die schon seit den frühen Neunzigern gemeinsame Sache machen. Während Silverthorn die Klanglandschaften baut, liefert Hockings Texte, die irgendwo zwischen Melancholie und subtiler Gesellschaftskritik pendeln. Das funktioniert, weil beide genau wissen, was sie tun – und weil sie nie versuchen, Trends hinterherzulaufen. Stattdessen ziehen sie ihr eigenes Ding durch, was man heute echt nicht mehr so oft sieht. Früh ging’s los mit Releases wie „Fragile“ und „In This Place Forever“, später folgten stärkere Chart-Momente mit „Automation Baby“ und „Looking Skyward“. Besonders spannend: die Zusammenarbeit mit Produzent Gareth Jones, der schon bei Depeche Mode mitgemischt hat. Da schließt sich dann auch irgendwo der Kreis.

Und jetzt also „The Truth Doesn’t Matter“. Ein Album, das weniger laut „Hier bin ich!“ schreit, sondern eher selbstbewusst stehen bleibt und wartet, bis man näherkommt. Jeder Track hat diese fiese Eigenschaft, sich nach dem ersten Hören nicht mehr abschütteln zu lassen. Man erwischt sich beim Mitpfeifen, obwohl man eigentlich gerade was ganz anderes machen wollte. Live bekommt das Ganze nochmal eine andere Energie, vor allem mit Unterstützung von Musikern wie Sean Suleman oder Vaughn George. Am Ende bleibt ein Album, das nicht versucht, die Welt zu erklären – sondern einfach verdammt gute elektronische Musik liefert. Und vielleicht ist das gerade die ehrlichste Antwort auf eine Zeit, in der eh jeder seine eigene Wahrheit bastelt.

Tracklist

01 The truth doesn´t matter 05:28
02 A storm is coming 05:00
03 I lost a friend today 05:21
04 Polygraph 01:47
05 Trying to save you 04:00
06 Bury me again 06:35
07 I bleed through you 05:09
08 Kill us with silence 04:15
09 1031030 01:17
10 This world 05:13
11 Exile 04:38
12 Everything as it should be 04:10
13 Hey stranger 04:06
14 Cipher 02:02
15 Not everyone is lonely 05:03
16 Be kind 05:55