MICHA: „Insomnia“ zwischen Sehnsucht und schlafloser Nacht
Schlafen wäre eigentlich eine vernünftige Idee. Michas „Insomnia“ handelt allerdings von einer Nacht, in der Vernunft wenig zu melden hat. Ein bestimmter Mensch kreist permanent durch den Kopf, Gespräche werden noch einmal abgespielt, Berührungen und Blicke bekommen ihre persönliche Wiederholungsschleife. Die Zeilen „Das mit dir geht so tief“ und „Lieg schlaflos da – Insomnia“ beschreiben diesen Zustand ziemlich direkt: Körper im Bett, Gedanken ganz woanders.
Musikalisch kombiniert Micha Popschlager und Deutsch-Pop mit Dance- und EDM-Einflüssen. Treibende Beats treffen auf eine eingängige Hook, während das englische „I Can’t Get No Sleep“ als wiederkehrendes Motiv die Schlaflosigkeit aufgreift. Bewusst fließen außerdem Elemente ein, die an die Energie und Direktheit der Dance-Musik aus den 90er- und 2000er-Jahren anknüpfen. Damit bleibt die nächtliche Grübelei nicht in einer ruhigen Ballade stecken, sondern bekommt ordentlich Bewegung verpasst.
Inhaltlich konzentriert sich „Insomnia“ auf den Punkt, an dem Sehnsucht in Unruhe kippt. Zwischen zwei Menschen ist offenbar längst genug passiert, um an Nachtruhe nicht mehr ernsthaft zu denken. Verlangen, Nähe und Erinnerungen an gemeinsame Momente halten den Kopf beschäftigt, obwohl die Uhr vermutlich längst zur Vernunft mahnt. Micha erzählt diese Situation ohne komplizierte Umwege und lässt deutsche Textzeilen auf den englischen Hook treffen. Einschlafmusik sieht normalerweise anders aus. Das ist hier allerdings ziemlich offensichtlich Absicht.