Mit „Johnny’s Dreamworld“ kündigt Modern Woman ein Debüt an, das nicht einfach nur ein weiterer Indie-Release sein will. Hinter dem Projekt steht vor allem Sophie Harris, die ihre ursprünglich eher intimen Songs inzwischen in ein ziemlich spannendes Bandgefüge überführt hat. Das Ergebnis klingt nach einer Mischung, die man nicht sofort in eine Schublade packen kann: Post-Punk trifft auf Avantgarde, dazu kommen folkige Elemente, die immer wieder durchscheinen. Klingt erstmal nach viel – funktioniert aber erstaunlich gut zusammen. Die vorab veröffentlichten Tracks wie „Dashboard Mary“, „Neptune Girl“, „Johnny’s Dreamworld“ und „Daniel“ geben schon einen ziemlich guten Eindruck davon, wo die Reise hingeht: leicht sperrig, aber genau dadurch interessant.
Inhaltlich wird es dabei alles andere als oberflächlich. Sophie Harris schreibt Texte, die sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben. Stattdessen geht es um diese kleinen, oft übersehenen Momente im Alltag, die plötzlich eine ganz eigene Bedeutung bekommen. Gleichzeitig schwingt immer eine gewisse Dunkelheit mit – so ein Gefühl, dass hinter der normalen Fassade noch mehr steckt. Besonders spannend ist der Blick auf Themen wie Weiblichkeit, der hier nicht glattgebügelt daherkommt, sondern voller Widersprüche steckt. Mal fragil, mal direkt, mal fast schon distanziert. Genau diese Mischung gibt dem Album eine ziemlich eigene Atmosphäre, die sich eher langsam entfaltet, als sofort alles preiszugeben.
Auch live scheint die Band genau da anzusetzen. Wer sie schon mal als Support für Ezra Furman gesehen hat, weiß, dass da mehr passiert als nur Songs runterspielen. Die Tracks wirken auf der Bühne oft roher, direkter und bekommen nochmal eine ganz andere Energie. Dass Modern Woman jetzt auch beim Reeperbahn Festival auftauchen, passt da ziemlich gut ins Bild. Das Publikum dort steht ja bekanntlich auf Acts, die nicht komplett vorhersehbar sind. Und genau das bringen sie mit: Musik, die sich nicht sofort festlegt, sondern lieber ein bisschen Raum lässt.