MONTEZ hat sich in den vergangenen Albumzyklen ziemlich weit oben in den deutschen Charts eingerichtet. „Liebe in Gefahr“ schaffte den Sprung auf Platz eins, der Nachfolger „pass auf mein herz auf“ erreichte Platz zwei. Nun folgt „So ist das mit dem Glück“, ein autobiografisch angelegtes Pop-Album, dessen Themen deutlich näher an persönlichen Erfahrungen liegen als an irgendeinem ausgedachten Konzept. Liebe und Verlust gehören dazu, ebenso Freundschaft und die Frage, wie man überhaupt beim eigenen Glück ankommt. Klingt auf dem Papier nach ziemlich großen Baustellen. MONTEZ bricht sie allerdings auf konkrete zwischenmenschliche Situationen herunter: Nähe und Distanz, Liebe als etwas, das eben nicht nur schöne Seiten kennt, und die Suche nach Halt in einer komplizierten Welt bilden die inhaltlichen Fixpunkte der Platte. Schon der Albumtitel passt zu diesem Blickwinkel. Glück erscheint hier nicht als sauber definierter Endzustand, sondern als etwas, dessen Weg offenbar auch über Umwege führt. Das autobiografische Fundament gibt dem Album dafür den Rahmen. Statt die einzelnen Songs unter ein fremdes Narrativ zu stellen, greift MONTEZ Themen aus seinem eigenen Leben auf. Damit knüpft die Platte an eine Phase an, in der seine deutschsprachigen Popsongs ein großes Publikum erreicht haben, verschiebt den Fokus diesmal aber deutlich auf die persönlichen Geschichten hinter den Stücken.
Ein wesentlicher Teil von „So ist das mit dem Glück“ entstand außerhalb des üblichen Alltags. Für die Arbeit am Album zog es MONTEZ zunächst nach Frankreich, später ging es für weitere Sessions nach Norwegen. Dahinter steckt eine Arbeitsweise, die für ihn längst zum Entstehungsprozess neuer Platten gehört: Writing-Camps mit Leuten aus seinem Freundes- und Kollegenkreis. MONTEZ beschreibt selbst, dass er diese Camps für jedes neue Album gerne organisiert, um gemeinsam an neuen Songs zu arbeiten. In Norwegen war er entsprechend nicht allein unterwegs. Aside, Alex Isaak, Vito, Tom Hengelbrock, Nio und Chapo102 gehörten zu den Beteiligten, die ihn in den hohen Norden begleiteten. Damit steckt hinter den Songs zwar ein persönlicher Ausgangspunkt, geschrieben wurde jedoch im Austausch mit mehreren vertrauten Musikern und Songwritern. Gerade dieser Gegensatz ist für die Entstehung interessant: Die Platte wird als autobiografisch beschrieben, ihre Ausarbeitung war zugleich Teamarbeit. Das Writing-Camp schafft dafür einen klar abgegrenzten Raum, weit weg von Terminen und täglicher Routine. Welche einzelnen Songs in Frankreich oder Norwegen geschrieben wurden, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Fest steht lediglich, dass beide Aufenthalte einen großen Teil der Albumarbeit ausmachten. Auch zu Instrumentierung, Produktion oder Studiotechnik liegen keine näheren Angaben vor. Entsprechend bleibt der dokumentierte Schwerpunkt dort, wo MONTEZ selbst ihn verortet: beim gemeinsamen Schreiben und bei den Themen, die sich durch das Album ziehen.
Inhaltlich kreist vieles um Beziehungen, allerdings nicht ausschließlich im romantischen Sinn. Freundschaft gehört ausdrücklich zum autobiografischen Rahmen von „So ist das mit dem Glück“. Gleichzeitig taucht immer wieder das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz auf. Liebe kann Sicherheit geben und trotzdem wehtun – genau diese widersprüchliche Erfahrung gehört zu den Kerngedanken der Platte. Hinzu kommt die Suche nach Halt, während das Leben ringsherum nicht unbedingt übersichtlicher wird. Das ist eine recht klare Themenliste und verhindert, dass der Begriff „Glück“ hier bloß als hübsches Etikett auf dem Cover landet. Vielmehr steckt dahinter die Frage, was auf dem Weg dorthin passiert: Beziehungen verändern sich, Menschen kommen sich näher oder entfernen sich, Freundschaften werden wichtig, Verluste hinterlassen ihre Spuren. Dass MONTEZ diese Punkte autobiografisch behandelt, passt zur persönlichen Perspektive des Albums. Zugleich markiert „So ist das mit dem Glück“ den nächsten Abschnitt nach zwei kommerziell erfolgreichen Vorgängern. Nach Platz eins für „Liebe in Gefahr“ und Platz zwei für „pass auf mein herz auf“ wäre es leicht gewesen, die bekannte Formel einfach weiterzuführen. Die Entstehung in mehreren Writing-Camps spricht zumindest für einen anderen Arbeitsansatz: raus aus dem Alltag, Freunde und langjährige Wegbegleiter einpacken, gemeinsam schreiben. Frankreich und Norwegen wurden so zu wichtigen Schauplätzen einer Platte, deren Geschichten letztlich weniger von geografischer Entfernung handeln als von menschlicher. Und vermutlich ist genau das die kleine Ironie hinter der Sache: Für Songs über Nähe musste MONTEZ erst einmal ziemlich weit weg.