Manchmal reicht ein Blick auf die eigene Reaktion und schon steht die Frage im Raum: War ich das gerade wirklich? Nicole Conring kennt dieses Gefühl zumindest als Thema ihrer neuen Single „Ich erkenn mich nicht wieder“. Darin geht es um einen Lebensabschnitt voller Veränderungen, wechselnder Stimmungen und Momente, in denen das eigene Verhalten plötzlich fremd erscheinen kann. Statt daraus ein schweres Drama zu bauen, betrachtet die Sängerin diese Situationen mit Humor. Das Bild dazu ist herrlich vertraut: Engelchen und Teufelchen haben gleichzeitig auf den Schultern Platz genommen, beide reden dazwischen und im Kopf herrscht entsprechend reger Betrieb. Ein Gedanke zieht nach links, der nächste nach rechts. Genau in diesem Durcheinander spielt der Song. Persönlicher Wandel erscheint hier nicht als sauber geordneter Prozess mit Gebrauchsanweisung, sondern als ziemlich widersprüchliche Angelegenheit. Mal weiß man genau, wohin man möchte. Kurz darauf fragt man sich, wer eigentlich gerade das Steuer übernommen hat. Nicole Conring begegnet diesem Hin und Her mit Selbstironie. Über sich selbst lachen zu können, wird damit zu einem zentralen Gedanken des Liedes.
„Ich erkenn mich nicht wieder“ behandelt sowohl kleine Veränderungen des Alltags als auch größere persönliche Umbrüche. Entscheidend ist weniger, welcher konkrete Lebensabschnitt dahintersteht, sondern wie sich Veränderung aus Sicht der betroffenen Person anfühlen kann: vertraute Reaktionen verschieben sich, Gedanken widersprechen einander und das bisherige Selbstbild bekommt plötzlich ein paar Fragezeichen verpasst. Nicole Conring erzählt davon mit einem Augenzwinkern, ohne die Unsicherheit hinter solchen Momenten kleinzureden. Selbstironie und Zuversicht gehören ausdrücklich zur Botschaft des Songs. Musikalisch wird dieser Ansatz von einer eingängigen Melodie getragen. Damit bleibt der Titel bewusst auf der leichten Seite, obwohl sein Ausgangspunkt durchaus nachdenklich ist. Schließlich kann es irritierend sein, sich selbst zeitweise kaum wiederzuerkennen. Conring dreht den Blickwinkel jedoch ein Stück weiter: Nicht jede Veränderung muss sofort verstanden, analysiert oder bierernst genommen werden. Manchmal darf man das eigene Gedankenchaos auch einfach dabei erwischen, wie es sich selbst widerspricht. Engelchen gegen Teufelchen, Runde eins. Wer gewinnt? Vermutlich kommt fünf Minuten später ohnehin die Revanche.
Gerade dieser Humor prägt „Ich erkenn mich nicht wieder“. Der Song erzählt nicht von einer glatt verlaufenden Entwicklung, bei der am Ende sämtliche Fragen ordentlich beantwortet sind. Stattdessen bleiben die Widersprüche Teil der Geschichte. Das passt zum Thema, denn persönliche Veränderungen halten sich bekanntlich selten an einen hübsch vorbereiteten Ablaufplan. Nicole Conring greift diese Situationen auf und behandelt sie ohne großes Pathos. Die eigene Unsicherheit darf vorkommen, genauso das Staunen über neue Seiten an sich selbst. Gleichzeitig bekommt das Ganze durch die humorvolle Perspektive genügend Luft. Hinter dem Titel steckt damit eine einfache, konkrete Idee: Wer sich verändert, kann zwischendurch durchaus das Gefühl bekommen, sich selbst nicht mehr ganz zu kennen. Das muss nicht automatisch etwas Bedrohliches sein. Selbstironie kann helfen, solche Phasen etwas gelassener zu betrachten, Zuversicht ebenso. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Nicole Conrings Single. „Ich erkenn mich nicht wieder“ nimmt das Chaos persönlicher Veränderungen ernst genug, um darüber zu erzählen, aber nicht so ernst, dass dabei das Lachen verloren geht. Und falls Engelchen und Teufelchen wieder gleichzeitig loslegen, bleibt immerhin noch die Möglichkeit, beiden kurz zuzuhören – und anschließend doch den eigenen Kopf entscheiden zu lassen.
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