Fünfzehn Jahre Funkstille im Gospel-Game? Für Nina Hagen offenbar kein Problem. Mit HiGHWAY TO HEAVEN biegt sie wieder auf ihre spirituelle Lieblingsspur ab – und das klingt weniger nach staubiger Kirchenbank als nach einem wilden Roadtrip zwischen Soul, Punk und Reggae. Statt geschniegelt klingt hier alles schön roh, lebendig und manchmal auch leicht drüber – aber genau das macht den Reiz aus. Zusammen mit Produzent Warner Poland und einer eingespielten Band bringt Hagen nicht nur Energie rein, sondern auch prominente Stimmen wie Nana Mouskouri und Gitte Hænning. Das Ganze wirkt wie ein großes, leicht chaotisches, aber herzliches Klassentreffen mit ordentlich Groove.
Musikalisch springt das Album quer durch die Genres, ohne sich zu verzetteln. Klassiker von Mahalia Jackson oder Sister Rosetta Tharpe bekommen ein Update, das nicht geschniegelt modern sein will, sondern einfach Spaß macht. Besonders auffällig: „Somebody Prayed for Me“ bekommt eine kraftvolle Frischzellenkur, während „Never Grow Old“ plötzlich nach staubiger Landstraße und Americana-Vibes klingt. Und dann wäre da noch die deutsche Version von „Everybody Wanna Go to Heaven“ – ein Move, der erst ungewöhnlich wirkt, dann aber erstaunlich gut funktioniert. Hagen bleibt dabei immer Hagen: mal laut, mal zerbrechlich, aber nie egal.
Was HiGHWAY TO HEAVEN so besonders macht, ist diese Mischung aus Spielfreude und Spiritualität, ohne dass es zu schwer wird. Das Album predigt nicht, es feiert. Zwischen Gospel, Rock und Pop entsteht ein Sound, der eher aus dem Bauch kommt als aus dem Konzeptpapier. Klar, nicht jeder Stilwechsel sitzt perfekt, und manchmal wirkt das Ganze ein bisschen wie ein bewusstes Durcheinander – aber genau darin liegt die Persönlichkeit. Wer Lust auf ein Album hat, das sich nicht festnageln lässt und dabei trotzdem eine klare Seele hat, wird hier ziemlich gut abgeholt. Nina Hagen zeigt: Gospel kann auch wild sein.