Cover: Nothing But Thieves - Evolution
7/8
mix1 Bewertung

„Evolution“ zeigt die rohe Seite von Nothing But Thieves

Nach einem Jahrzehnt voller ausverkaufter Shows, riesiger Streamingzahlen und immer größerer Hallen melden sich Nothing But Thieves mit „Evolution“ zurück – und zwar nicht mit angezogener Handbremse. Der neue Song klingt wie eine Mischung aus verschwitztem Clubabend, emotionalem Höhenflug und genau der Sorte Alternative-Rock, mit der sich die Band längst ihre eigene Ecke geschaffen hat. Statt einfach nur größer und glatter zu werden, geht die Gruppe bewusst einen Schritt zurück zu ihren Anfängen. Aufgenommen wurde erneut in den Angelic Studios, also genau dort, wo damals auch das Debütalbum entstand. Dieses kleine Zurückspulen hört man „Evolution“ an: weniger Hochglanz, mehr Gefühl, mehr direkte Energie. Die Band wirkt dabei so, als hätte sie sich gefragt, was nach all den Tourneen und Erfolgen eigentlich wirklich wichtig geblieben ist.

Musikalisch fährt „Evolution“ alles auf, was Fans an der Band feiern: treibende Gitarren, riesige Refrains und die markante Stimme von Conor Mason, die zwischen verletzlich und explosiv pendelt. Gleichzeitig steckt im Song eine spürbare Nostalgie. Eine kleine textliche Referenz an einen Club aus ihrer Heimatstadt Southend macht deutlich, dass die Band ihre Wurzeln nicht vergessen hat. Genau das macht den Track spannend, denn trotz Arena-Status klingt hier vieles angenehm nahbar. Während andere Rockbands versuchen, Trends hinterherzulaufen, setzen Nothing But Thieves lieber auf Atmosphäre und echte Emotionen. Auch die Aussagen der Band passen dazu: Es gehe weniger um Perfektion, sondern mehr um Authentizität und menschliche Momente. Das klingt erstmal nach typischer Musikerphilosophie, wirkt bei ihnen aber überraschend glaubwürdig. Vielleicht auch deshalb, weil ihre Musik nie geschniegelt oder künstlich wirkt. „Evolution“ fühlt sich eher wie ein ehrlicher Brief an die Menschen an, die seit Jahren vor den Bühnen stehen.

Mit „Dead Club City“ hatte die Band zuletzt bereits ihren größten kommerziellen Erfolg gefeiert und sich endgültig als eine der wichtigsten Rockbands Großbritanniens etabliert. Zwei ausverkaufte Abende in der Wembley Arena und riesige Tourneen durch Europa und Nordamerika sprechen ohnehin für sich. Trotzdem vermittelt „Evolution“ nicht das Gefühl einer Band, die sich bequem eingerichtet hat. Stattdessen klingt der Song nach Bewegung, nach Weiterentwicklung und nach einer Gruppe, die trotz Millionenpublikum noch immer diesen DIY-Kern in sich trägt. Genau deshalb funktioniert der Track so gut: Er verbindet die rohe Energie früher Tage mit der Größe einer Band, die inzwischen weltweit Hallen füllt. „Evolution“ ist damit nicht einfach nur ein neuer Song, sondern ein ziemlich starkes Statement dafür, wie Nothing But Thieves ihre Zukunft sehen – laut, emotional und vor allem echt.

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