Cover: Paul Holland - love gone wild
7/8
mix1 Bewertung

Paul Holland veröffentlicht „love gone wild“

Mit „love gone wild“ legt Paul Holland einen Track vor, der sich leise anschleicht und dann ziemlich genau weiß, wann er größer werden muss. Der Wahl-Berliner bewegt sich hier irgendwo zwischen Indie, Folk und softem Rock – also genau in der Ecke, in der man Namen wie Kings of Leon oder Fleetwood Mac zumindest als grobe Referenz verstehen kann, ohne dass der Song wie ein Abziehbild wirkt. Stattdessen bringt Holland seinen eigenen Ton rein: warm, leicht rau, mit diesem unterschwelligen 70s-Vibe, der sich nicht aufdrängt, sondern einfach mitschwingt. Der Einstieg ist bewusst reduziert, fast fragil – Gitarre, Stimme, Unsicherheit. Und genau daraus entwickelt sich der Track Stück für Stück, bis er sich öffnet und in einen getragenen, aber treibenden Pop-Rock-Moment kippt.

Inhaltlich bleibt „love gone wild“ nah an diesem Aufbau. Es geht um eine Beziehung, die aus dem Gleichgewicht geraten ist – nicht komplett zerbrochen, aber auch weit entfernt von stabil. Dieses Dazwischen zieht sich durch den ganzen Song. Zeilen wie „Am I a fool for the words I speak?“ wirken nicht wie große Gesten, sondern eher wie ehrliche Selbstzweifel. Gerade das macht den Track greifbar. Wenn dann später die sphärischen Gitarren dazukommen und sich dieser leichte Westcoast-Groove einschleicht, bekommt das Ganze mehr Bewegung, ohne die Intimität zu verlieren. Es ist kein dramatischer Ausbruch, eher ein kontrolliertes Loslassen. Und genau das passt zum Thema: versuchen, etwas wieder einzufangen, das einem langsam entgleitet.

Als Teil seines kommenden Albums „SUNFLOWER“ markiert der Song so etwas wie den emotionalen Kern der Platte. Nach der EP Everything zeigt Holland hier, wie sich sein Sound weiterentwickelt hat – weg vom reinen Singer-Songwriter-Setup hin zu einem breiteren, bandgetragenen Klang. Dass er sein Handwerk lange als Straßenmusiker geschärft hat, hört man dabei immer noch: Die Songs funktionieren auch runtergebrochen, ohne große Produktion. Gleichzeitig bringt die Zusammenarbeit mit Produzent Ralv Milberg eine neue Tiefe rein, die den Tracks mehr Raum gibt. „love gone wild“ ist damit kein lauter Hit auf den ersten Blick, sondern eher einer, der sich langsam festsetzt – und genau deshalb länger bleibt.

Video