„The Boys of Dungeon Lane“ fühlt sich an wie ein Spaziergang durch ein Liverpool, das nach Regen, Kohleöfen und großen Träumen riecht. Paul McCartney öffnet dabei Türen, die bislang verschlossen geblieben sind. Statt bloßer Nostalgie gibt es kleine Szenen aus seiner Kindheit, Geschichten über seine Eltern und Erinnerungen daran, wie Musik plötzlich wichtiger wurde als alles andere. Besonders stark wirkt, wie persönlich das Ganze geschrieben ist. Man merkt schnell: Hier erzählt keiner eine geschniegelt polierte Rockstar-Biografie. Das klingt eher wie jemand, der spätabends am Küchentisch sitzt und einfach mal loslegt.
Dazu kommen neue Liebeslieder, die erstaunlich direkt wirken. Keine übertriebene Dramatik, kein großes Pathos – eher warme Melodien und Texte, die zwischen Hoffnung, Verlust und jugendlichem Chaos pendeln. Spannend wird es immer dann, wenn McCartney über die ersten Begegnungen mit John Lennon und George Harrison schreibt. Lange bevor die Welt verrückt nach den Beatles wurde, waren das eben einfach drei Jugendliche mit Gitarren, schlechten Frisuren und sehr viel Zeit. Genau diese Mischung aus Naivität und Ehrgeiz macht viele Passagen ziemlich charmant. Man bekommt fast das Gefühl, mit im Bus zu sitzen, während irgendwo die nächste Songidee entsteht.
Auch die Nachkriegszeit spielt eine wichtige Rolle. McCartney beschreibt seine Eltern als Menschen, die trotz schwieriger Umstände nie aufgegeben haben. Gerade diese Bodenständigkeit zieht sich durch das gesamte Projekt. „The Boys of Dungeon Lane“ lebt deshalb nicht von großen Sensationen, sondern von den kleinen Momenten. Vom ersten gemeinsamen Song, von engen Straßen in Liverpool oder vom Gefühl, dass Musik vielleicht tatsächlich alles verändern könnte. Genau das macht diese Sammlung so interessant: Sie zeigt Paul McCartney nicht nur als Musikikone, sondern als jungen Typen, der erst einmal herausfinden musste, wohin die Reise überhaupt geht.