PAULINKO liefern mit "Tulpen + Narzissen" wuchtigen Indie-Rock
PAULINKO drehen den Verstärker auf und lassen mit „Tulpen + Narzissen“ genau die Art von Indierock los, die man eher fühlt als nur hört. Der Track schiebt von der ersten Sekunde an nach vorne: fette Gitarren, ein Drumming, das eher nach Abriss als nach Begleitung klingt, und darüber diese Stimme, die keine Lust auf halbe Sachen hat. Inhaltlich geht’s dahin, wo’s weh tut – Selbstsabotage, Angst vor echter Nähe, dieses ständige Sich-selbst-im-Weg-Stehen. Klingt heavy, ist es auch, aber eben auf eine Art, die hängen bleibt, statt runterzuziehen. Das Duo zeigt ziemlich klar, dass sie keinen Bock mehr auf glattgebügelte Hooks haben, sondern lieber Kanten stehen lassen.
Anna am Mic und Lisa an den Drums machen dabei keinen Hehl daraus, wo sie stehen: feministisch, direkt und mit einer Attitüde, die sich nicht entschuldigt. Ihr Sound hat diese Mischung aus Pop-Appeal und Punk-Energie, die man so nicht oft hört. Klar, irgendwo schimmern Referenzen durch – ein bisschen Juli, ein bisschen Wir sind Helden –, aber das wirkt nie wie Kopie, eher wie ein kurzer Blick zurück, bevor es wieder nach vorne geht. Dass der Mix von Oliver Zülch kommt, der schon mit Die Ärzte und Sportfreunde Stiller gearbeitet hat, hört man: Der Track hat Druck, aber auch genug Raum, damit alles atmen kann. Nach dem eher verträumten „Gold“ wirkt das hier wie ein bewusster Schritt raus aus der Komfortzone – größer, lauter, kompromissloser.
Und live? Genau da wird klar, warum PAULINKO gerade so durchzieht. Über 120 Shows in kurzer Zeit sprechen für sich, dazu Slots beim Reeperbahn Festival und anderen Bühnen, wo man sich erst mal behaupten muss. Support-Slots für Acts wie YU, Tropikel Ltd. oder Paula Carolina haben ihnen zusätzlich Rückenwind gegeben. Jetzt stehen schon die nächsten Shows an, und es wirkt nicht so, als würden sie langsamer werden. Im Gegenteil: „Tulpen + Narzissen“ fühlt sich wie ein Startschuss an – für eine Band, die gerade erst anfängt, richtig laut zu werden, und für eine Szene, die genau so einen Sound gebrauchen kann.