Zwölf Songs, über das Jahr verteilt und jeweils zum Vollmond veröffentlicht: Peter Gabriel ließ sein Album „i/o“ Stück für Stück entstehen, zumindest aus Sicht seines Publikums. Er selbst verglich das Verfahren mit monatlich ausgegebenen Lego-Steinen. Mit dem vollständigen Album liegen die einzelnen Teile nun zusammen vor. Zwischen „Up“ und diesem nächsten Studioalbum mit neuem Songmaterial liegen mehr als zwei Jahrzehnte. Die langsame Veröffentlichung gab jedem Stück zunächst einen eigenen Platz, bevor es sich in die Abfolge der zwölf Titel einfügte. Aus einzelnen Begegnungen mit den Songs wurde so nach und nach ein vollständiges Album.
Inhaltlich beschäftigt sich Gabriel mit der Verbindung des Menschen zu seiner Umgebung. Der Titeltrack beschreibt das eigene Leben als Teil eines größeren Ganzen. Von dort führen die Texte zu Fragen über das Universum, das Vergehen der Zeit und die eigene Sterblichkeit. Auch Trauer hat ihren Platz. Andere Songs greifen Ungerechtigkeit, Überwachung und die Wurzeln des Terrorismus auf. Das sind schwere Themen, doch die Musik bleibt nicht durchgehend ernst oder bedrückt. Die Vorlage beschreibt auch fröhliche Passagen und eine hoffnungsvolle Grundhaltung. „Live and Let Live“ beendet das Album mit einem optimistischen Blick auf das Zusammenleben. Gabriel behandelt persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Fragen innerhalb derselben Sammlung, ohne sich auf ein einzelnes Thema zu beschränken.
Eine Besonderheit steckt in der Abmischung: Jeder der zwölf Tracks liegt in zwei Stereoversionen vor. Mark „Spike“ Stent bearbeitete den Bright-Side Mix, Tchad Blake den Dark-Side Mix. Die Doppel-CD enthält beide Fassungen vollständig. Auf Vinyl sind sie als separate Doppelalben erhältlich. Es handelt sich also um dieselben Songs in unterschiedlichen Abmischungen. Wer beide hören möchte, kann die Arbeit der beiden Toningenieure unmittelbar vergleichen. Hinzu kommt der In-Side Mix von Hans-Martin Buff, der das Album für Dolby Atmos bearbeitete. Diese dritte Fassung gehört zum Drei-Disc-Set mit Blu-ray. Die Auswahl der Ausgabe entscheidet damit auch darüber, welche Versionen zugänglich sind: zwei Stereomixe auf Doppel-CD, jeweils eine Stereofassung auf Doppelvinyl oder das Set mit der zusätzlichen Atmos-Version.