Mit knapp 15 Minuten Spielzeit hat sich das Londoner Geschwisterduo Punchbag schon mit seiner ersten EP I'm Not Your Punchbag direkt bemerkbar gemacht – und zwar nicht leise. Zwischen verzerrter Süße, kontrolliertem Chaos und Momenten, die sich anfühlen wie ein kurzer Stromschlag, liefert die Band einen Einstieg, der eher wachrüttelt als vorsichtig vorstellt. Dass Magazine wie NME, Dork oder CLASH früh drauf angesprungen sind, überrascht da wenig. Das Ding hat einfach diesen „Was war das gerade?“-Effekt, den man nicht planen kann. Dazu kommen ausverkaufte Shows in London und Festival-Slots, bei denen sie sich nicht wie Newcomer, sondern eher wie ein Geheimtipp mit Ansage anfühlen.
Jetzt schieben Clara und Anders Bach mit I Am Obsessed nach – und gehen den nächsten Schritt, ohne ihren Stil glattzubügeln. Im Gegenteil: Die neue EP wirkt noch fokussierter, aber gleichzeitig genauso unberechenbar. Besonders der Track „What’s In My Bag“ bringt dieses Spannungsfeld ziemlich gut auf den Punkt. Inhaltlich geht’s um das Gefühl, im eigenen Chaos zu versinken – musikalisch klingt das wie ein wilder Mix aus Pop-Hooks und rotziger Distortion. Clara beschreibt das Ganze mit einem Augenzwinkern als eine Art Konsum-Kater im Handtaschenformat. Klingt absurd, fühlt sich aber erstaunlich relatable an. Dieses Spiel mit Überforderung, Identität und ironischer Selbstbeobachtung zieht sich durch die ganze EP und macht sie mehr als nur eine Ansammlung von Tracks.
Spannend ist auch, dass „I Am Obsessed“ erstmals physisch erscheint – als Vinyl, das gleich beide EPs zusammenbringt. Ein Move, der fast schon nostalgisch wirkt, aber gleichzeitig perfekt zum DIY-Spirit der Band passt. Punchbag machen keinen Hehl daraus, dass sie Bock auf Kontraste haben: catchy, aber schräg; chaotisch, aber irgendwie durchdacht. Genau das macht ihren Sound so greifbar. Am Ende bleibt eine Band, die sich nicht darum kümmert, ob alles sauber sortiert ist – sondern lieber mitten im Durcheinander tanzt. Und genau da fühlt es sich gerade ziemlich richtig an.