Cover: Queens of the Stone Age - Perfecth
7/8
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Album

Perfecth

Queens of the Stone Age

Label: Matador/Beggars Group
Kategorie: Rock | Alternative-Rock
Veröffentlichung: 30.10.2026
Promotion: Song promoten?
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Queens of the Stone Age suchen in „Perfecth“ das Unperfekte

Perfektion hat bei Queens of the Stone Age einen kleinen Buchstaben zu viel. „Perfecth“ heißt das neunte Studioalbum der Band um Joshua Homme – und dieser ungewöhnliche Titel ist keineswegs ein Tippfehler, der kurz vor Abgabe noch durch die Rechtschreibprüfung gerutscht ist. Das Wort spielt bewusst mit der Vorstellung vom Perfekten. Für Homme existiert dieser Zustand nicht; wichtiger ist ihm die Schönheit dessen, was Macken, Veränderungen und sichtbare Spuren trägt. Ein Gedanke, der sich durch die neun Songs zieht und eng mit Kintsugi verbunden ist. Bei dieser japanischen Reparaturtechnik werden Bruchstellen beschädigter Keramik nicht kaschiert, sondern hervorgehoben, traditionell durch Lack, dem Gold oder andere Metallpulver beigemischt werden. Der frühere Schaden bleibt also sichtbar und wird Teil des reparierten Gegenstands. Auf „Perfecth“ dient dieses Prinzip als gedanklicher Rahmen für Geschichten über Liebe und Beziehungen. Gemeint ist Liebe dabei nicht ausschließlich romantisch. Familiäre Bindungen und Freundschaften gehören ebenso dazu wie Partnerschaften, Verlust, Sehnsucht und Heilung. Menschen können Spuren hinterlassen, verletzen, Halt geben oder das eigene Leben verändern. Joshua Homme, Troy Van Leeuwen, Michael Shuman, Dean Fertita und Jon Theodore betrachten diese unterschiedlichen Beziehungen nicht aus einer einzigen Perspektive. Stattdessen kreisen die Songs um Erfahrungen und Veränderungen, die sich nicht einfach ausradieren lassen. Die Bruchstelle bleibt. Nur der Umgang damit verändert sich.

Auch die Entstehung von „Perfecth“ passt zu diesem Gedanken. Die Stücke wurden über einen längeren Zeitraum und an verschiedenen Orten geschrieben. Ihre endgültige Form fanden sie erst durch die Erfahrungen ihrer Schöpfer. Statt eines eng begrenzten Aufnahmeprozesses steckt damit bereits in der Entwicklung der Songs Veränderung. Musikalisch bewegen sich Queens of the Stone Age zwischen rauen Rockpassagen und deutlich verletzlicher angelegten Momenten. „Insignificant Other“, „Sunday“ und „Mono“ gehören zu den genannten Beispielen für die nachdenklicheren und experimentelleren Seiten des Albums. Diese Wechsel liegen einer Band, deren Musik seit Jahren Alternative Rock, Desert Rock und psychedelische Elemente zusammenführt, grundsätzlich nicht fern. Auf „Perfecth“ bekommen sie allerdings einen konkreten inhaltlichen Rahmen. Härte und Zurückhaltung existieren nebeneinander, ähnlich wie die verschiedenen Formen von Nähe und Verlust, die in den Texten auftauchen. Der Albumtitel fasst diesen Ansatz ziemlich knapp zusammen. Perfektion wird nicht erreicht, sondern gleich im Namen beschädigt. Das zusätzliche „h“ stört das vertraute Wortbild und macht gerade dadurch sichtbar, worum es geht. Kleine Abweichung, große Wirkung. Man könnte vermutlich auch einfach „unperfekt“ sagen, aber das wäre für Queens of the Stone Age verdächtig ordentlich.

Hinter dem Wortspiel steckt allerdings mehr als ein hübscher Albumtitel. „Perfecth“ beschäftigt sich mit der Frage, welchen Wert Erfahrungen bekommen, nachdem sie einen Menschen verändert haben. Verlust und Sehnsucht werden deshalb nicht isoliert behandelt. Freundschaft, Familie, romantische Beziehungen und Heilung gehören zum selben Themenfeld. Der Kintsugi-Gedanke dient dafür als passendes Bild: Reparatur bedeutet nicht, einen früheren Zustand möglichst exakt wiederherzustellen. Die Veränderung bleibt sichtbar. Übertragen auf die neun Songs heißt das, Narben und persönliche Entwicklungen nicht als Fehler zu betrachten, die aus der eigenen Geschichte verschwinden müssten. Queens of the Stone Age übertragen diese Idee sowohl auf die Texte als auch auf die musikalischen Gegensätze des Albums. Raue Gitarrenmomente dürfen neben zurückgenommenen Passagen stehen, Nachdenklichkeit neben experimentelleren Ansätzen. Dass die Stücke an unterschiedlichen Orten und über einen langen Zeitraum entstanden, verstärkt den Eindruck eines Albums, das nicht aus einer einzelnen Situation heraus geschrieben wurde. „Perfecth“ sammelt vielmehr verschiedene Erfahrungen unter einem gemeinsamen Gedanken. Für Joshua Homme liegt das Interessante eben nicht in einem makellosen Endzustand. Entscheidend sind die Veränderungen auf dem Weg dorthin und die Menschen, die daran beteiligt waren. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Bandgeschichte wählen Queens of the Stone Age dafür keine Rückschau auf alte Erfolge, sondern neun Songs über Bindungen, Brüche und das Weiterleben mit ihren Folgen. Der vermeintliche Fehler im Titel ist damit ziemlich präzise gewählt: „Perfecth“ braucht keine Korrektur. Genau darum geht es.
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