Mit „45 Jahre“ liefert Rainhard Fendrich kein gewöhnliches Livealbum, sondern eher so etwas wie ein musikalisches Tagebuch, das sich über Jahrzehnte geschrieben hat. Drei Stunden Material, aufgenommen vor beeindruckender Kulisse – unter anderem am Wörthersee in Klagenfurt und in der Wiener Stadthalle – machen schnell klar: Hier geht’s nicht nur um Songs, sondern um Erinnerungen. Viele der Tracks haben längst ihr eigenes Leben entwickelt, weil sie vom Publikum über Jahre hinweg getragen wurden. Genau dieses Gefühl schwappt auch beim Hören direkt rüber.
Die Setlist liest sich wie ein Streifzug durch verschiedene Lebensphasen. Von frühen Geschichten wie „Zweierbeziehung“ oder „Nachtzug nach Jesolo“ bis hin zu späteren Klassikern entsteht ein roter Faden, der Vergangenheit und Gegenwart ziemlich locker verbindet. Dabei wechselt die Stimmung ständig: mal ironisch und bissig bei Songs wie „Macho Macho“ oder „Schickeria“, dann wieder nachdenklich und ruhig, etwa bei „Manchmal denk i no an di“. Und genau dieser Mix sorgt dafür, dass das Album nie eintönig wirkt, sondern eher wie ein Konzertabend, bei dem man emotional einmal komplett durchgeschüttelt wird.
Natürlich fehlen auch die großen Hymnen nicht. „I Am From Austria“ funktioniert hier wieder als kollektiver Gänsehautmoment, während „Es lebe der Sport“ oder „Weus‘d a Herz hast wia a Bergwerk“ zeigen, wie vielseitig Fendrichs Katalog ist. Dazu kommen neuere Songs wie „Hoit Mi“, die beweisen, dass er sich nicht nur auf seinem Backkatalog ausruht. Am Ende bleibt „45 Jahre“ weniger ein Rückblick im klassischen Sinne, sondern eher ein lebendiges Gesamtbild – ein Album, das zeigt, wie Songs wachsen können, wenn sie über Jahre hinweg Teil von echten Geschichten werden.