Mit „Higher Power“ meldet sich Ritchie Newton mit einem kraftvollen Album zwischen AOR, Classic Rock- und Hard Rock zurück, das klar im klassischen Rock verwurzelt ist, dabei aber nicht angestaubt wirkt. Die Songs besitzen Retroflair, große Melodien und eine zeitlose Haltung, die eher nach Überzeugung als nach nostalgischer Pose klingt.
Der Titeltrack „Higher Power“, den Newton gemeinsam mit Markus Pfeffer schrieb, eröffnet das Album mit spiritueller Bildsprache, breiten Gitarren und viel Pathos. Newton singt von Hoffnung, innerer Stärke und der Kraft, trotz Verlust und Schmerz weiterzugehen. Seine Stimme passt perfekt dazu: rauchig, markant und hörbar gelebt.
Musikalisch steht das Album auf einem soliden Fundament. Die Drums treiben songdienlich nach vorne, der Bass arbeitet druckvoll und präsent, während die Gitarren immer wieder epische Akzente setzen. Besonders das Keyboard-Sounddesign von Reyfan Lapaehe verdient Lob: Die Tasten schaffen Atmosphäre, öffnen Refrains und geben Stücken wie „Crying In The Summer Rain“ oder „Saxanna“ zusätzliche Tiefe.
Auch die Songs zeigen unterschiedliche Facetten. „Come Give Me Your Love“, mit Frank Pané aus dem Bonfire-Umfeld, verbindet eingängigen Hard Rock mit einem ernsten Thema und fällt gerade durch seinen warnenden Unterton auf. „Crying In The Summer Rain“ profitiert von der Beteiligung von Marco Mendoza und Armin Sabol, ohne dadurch zum reinen Namedropping zu werden. „King Of The Night“ geht direkter nach vorne, mit Highway-Flair, Lederjacken-Attitüde und klassischem Rock-Schub. Bei „Glory Harleyluja“ sitzt der Spaß am freien Fahren hörbar im Tank.
Emotional wird es besonders bei „Goodbye My Little Boy“, an dem Tobias Dorner von Jester’s Tears beteiligt ist. Der Song zählt zu den persönlichsten Momenten der Platte und verarbeitet Verlust ohne große Umwege. „When Children Cry“ setzt ebenfalls auf ein schweres Thema und zeigt, dass Newton mehr will als reine Rockromantik.
Nicht jede Textzeile ist dabei zwangsweise Tiefgründig, manche Narration erklärt etwas zu viel. Trotzdem überzeugt „Higher Power“ durch starke Songs, inspirierendes Sounddesign, prominente, sinnvoll eingesetzte Gastbeiträge und eine klare Handschrift. Dass das Album auch als auf 300 Stück limitiertes 180-Gramm-Vinyl erscheint, passt perfekt zum klassischen Rock-Charakter.
Ein emotionales, vielseitiges Hard-Rock-/AOR-Album mit starken Gitarren, rauchiger Stimme und viel Herz.