Cover: Robben Ford - Two Shades Of Blue
7/8
Eigene Redaktionseinschätzung

Robben Ford setzt auf Blues mit Biss "Two Shades Of Blue"

Mit „Two Shades Of Blue“ zeigt Robben Ford, dass Stillstand für ihn ungefähr so spannend ist wie ein Blues ohne Groove. Statt auf Nummer sicher zu gehen, liefert der Gitarrist ein Album ab, das Ecken, Kanten und eine Menge Charakter hat. Gleich der Opener „Make My Own Weather“ rollt los wie ein Motorrad auf leerer Straße – trocken, direkt, mit ordentlich Druck auf der Rhythmusgitarre. Ford nennt den Song einen seiner liebsten geradlinigen Blues-Tracks, und genau so fühlt er sich auch an: kein Schnickschnack, dafür Haltung. Inhaltlich geht’s um Selbstbestimmung, musikalisch um Kontrolle und Loslassen zugleich. Ein Typ, der sein eigenes Wetter macht – passt ganz gut zu einem Musiker, der sich seit Jahrzehnten nicht in eine Schublade stecken lässt.

Wer auf Fords Vita schaut, merkt schnell: Hier spielt keiner, der erst gestern die Saiten entdeckt hat. Fünffach Grammy-nominiert, unterwegs zwischen Jazz, Rock, Fusion und Blues, immer mit diesem unverwechselbaren Ton. Schon früh stand er mit Charlie Musselwhite auf der Bühne, später mit der Fusion-Crew The L.A. Express rund um Tom Scott. Es folgten Studio- und Tour-Momente mit Joni Mitchell und ein Trip ins Rock-Universum bei George Harrison. Selbst mit Miles Davis stand er schon im Rampenlicht – und wer da nicht ins Schwitzen kommt, hat Nerven aus Stahl. All das klingt auf „Two Shades Of Blue“ nicht nach Nostalgie-Show, sondern nach jemandem, der immer noch Bock hat, Grenzen zu verschieben. Ursprünglich als Hommage an Jeff Beck gedacht, entwickelte sich das Projekt während der Sessions in den Eastcote Studios in eine ganz eigene Richtung. Neue Strat, neues Pedalboard, neue Energie – und plötzlich war da mehr als nur eine Verbeugung vor einem Idol.

Entstanden ist das Album auf zwei Seiten des Atlantiks, mit unterschiedlichen Bands und jeder Menge Experimentierfreude. In London versammelte Ford eine Crew, die seinem Spiel Raum gibt und trotzdem ordentlich Feuer entfacht. Funkige Grooves treffen auf weite Instrumentalpassagen, die zeigen, dass Technik bei ihm nie Selbstzweck ist. Statt Gitarrenakrobatik um der Akrobatik willen gibt’s Songs, die atmen und sich entwickeln dürfen. Man hört förmlich, wie im Studio ausprobiert, verworfen und neu gedacht wurde. „Two Shades Of Blue“ ist deshalb nicht glattpoliert, sondern lebendig. Ein Album, das sich traut, Regeln zu ignorieren, wenn sie im Weg stehen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Ford auch nach einem halben Jahrhundert Karriere nicht müde klingt – sondern neugierig.

Tracklist

01 Make My Own Weather
02 Jealous Guy
03 Perfect Illusion
04 Black Night
05 Two Shades Of Blue
06 The Fire Flute
07 The Light Fandango
08 Feeling's Mutual