Mit „In The Cage“ baut Salamirecorder sich sein eigenes kleines Paralleluniversum – irgendwo zwischen staubigem Proberaum, übersteuertem Tape und einer ziemlich klaren Haltung gegen den ganzen digitalen Overload. Schon der Opener „Brothers & Sisters“ macht klar, wohin die Reise geht: rumpelnder Beat, Gitarren, die eher knarzen als glänzen, und ein Sound, der sich anfühlt, als würde er gleich auseinanderfallen – aber genau darin liegt der Reiz. Das ist kein Retro-Kostüm, sondern eher ein bewusstes Zurückdrehen der Zeit, um wieder bei dem Gefühl anzukommen, das Rock’n’Roll mal hatte: unberechenbar, direkt, ein bisschen kaputt.
Der Fokus-Track „Gimme Some“ bringt diese Energie ziemlich gut auf den Punkt. Call-and-Response-Vocals, die sich gegenseitig pushen, dazu dieser leicht chaotische Groove, der nie ganz geschniegelt wirkt. Überhaupt lebt das Album davon, dass nichts perfekt ist. Tempo-Wechsel stolpern charmant, Fuzz-Gitarren dröhnen sich durch die Songs und zwischendrin tauchen immer wieder Momente auf, die fast schon cineastisch wirken – wie bei „Theme From the Dropouts“, wo man sofort Bilder im Kopf hat. Gleichzeitig bleibt alles extrem nahbar, fast DIY-mäßig roh. Dass das Ganze auf einem Vierspurgerät aufgenommen wurde, hört man nicht nur – es ist Teil der Aussage. Dieses leichte Übersteuern, dieses Knistern, das gibt dem Album eine Dringlichkeit, die man digital oft vermisst.
Inhaltlich schwingt immer wieder dieses Gefühl von Außenseiter-Sein mit, gerade in Tracks wie „Fight 'Em“. Kleinstadt, seltsame Partys, das Gefühl, nicht reinzupassen – das wird hier nicht dramatisch aufgeblasen, sondern eher beiläufig erzählt. Genau dadurch wirkt es glaubwürdig. „In The Cage“ ist am Ende mehr als nur ein Garage-Rock-Album. Es ist eine bewusste Entscheidung für Limitierung, für Ecken und Kanten und gegen glatte Perfektion. Salamirecorder zeigt, dass man nicht alles auf Hochglanz polieren muss, damit es funktioniert. Manchmal reicht ein kaputter Sound, ein bisschen Mut und die richtige Idee – und plötzlich fühlt sich das alles ziemlich lebendig an.