Cover: SDP & JazzDP feat. The Capital Dance Orchestra - Endlich richtige Musik! (JazzDP)
7/8
mix1 Bewertung
Single

Endlich richtige Musik! (JazzDP)

SDP & JazzDP feat. The Capital Dance Orchestra

Label: Universal Music
Kategorie: Pop | Pop national
Veröffentlichung: 14.08.2026

„Endlich richtige Musik!“: SDP zerlegen ihre Songs

Was passiert, wenn Vincent und Dag nach über 25 Jahren SDP plötzlich beschließen, ihre eigene Musik auseinanderzunehmen? Offenbar zieht man erst einmal einen Smoking an. Unter dem Namen JazzDP widmen sich die beiden ihrer eigenen Bandgeschichte und behandeln die bekannten SDP-Songs so, als hätte irgendwo zwischen Proberaum und Konzertbühne eine ziemlich große Bigband die Kontrolle übernommen. „Endlich richtige Musik!“ heißt das dazugehörige Projekt, entstanden gemeinsam mit The Capital Dance Orchestra. Schon der Titel macht klar, dass Vincent und Dag die Sache nicht mit ehrfürchtigem Blick aufs eigene Werk angehen. Stattdessen nehmen sie SDP und damit letztlich auch sich selbst aufs Korn. Aus den „abgefuckten Jeans“ werden gediegene Smokings, aus Songs aus mehr als zweieinhalb Jahrzehnten Bandgeschichte aufwendig arrangierte Bigband-Versionen. JazzDP ist dabei keine Sammlung neuer Stücke, sondern ein Umbau des vorhandenen Materials. Die beliebtesten Lieder aus über 25 Jahren SDP werden zerlegt, neu arrangiert und für eine große Besetzung zusammengesetzt. Das Originalmaterial bleibt der Ausgangspunkt, seine musikalische Umgebung ändert sich dagegen gründlich. Ein bisschen so, als würde man nach Jahrzehnten im selben Wohnzimmer plötzlich feststellen, dass dort überraschend noch Platz für eine komplette Bläsersektion ist.

The Capital Dance Orchestra übernimmt bei diesem Experiment eine entscheidende Rolle. Denn der Wechsel von SDP zu JazzDP besteht eben nicht darin, ein Saxofon über die bekannten Aufnahmen zu legen und anschließend das Wort Jazz aufs Cover zu schreiben. Die Songs wurden für die Bigband-Besetzung aufwendig arrangiert. Damit verändert sich zwangsläufig ihre musikalische Architektur: Material, das ursprünglich für SDP entstanden ist, muss innerhalb eines großen Ensembles neu organisiert werden. Genau darin steckt der eigentliche Reiz der Idee. Vincent und Dag greifen auf mehr als 25 Jahre eigener Songs zurück, behandeln diese aber nicht wie unantastbare Originale. JazzDP darf sie auseinanderbauen. Der Humor funktioniert dabei auf mehreren Ebenen. „Endlich richtige Musik!“ klingt wie der Kommentar eines Menschen, der bei verzerrten Gitarren oder elektronischen Sounds schon vorsorglich nach dem Ausschalter sucht. Gleichzeitig kommt der Seitenhieb von den Urhebern selbst. SDP erklären ihre bisherige Musik scherzhaft zum Problem und stellen mit Bigband-Unterstützung gleich das vermeintliche „Gegengift“ bereit. Dass dazu auch optisch die Jeans gegen Smokings getauscht werden, zieht den Gedanken konsequent weiter. JazzDP ist somit weniger eine feierliche Veredelung alter Songs als ein bewusstes Spiel mit musikalischen Klischees, dem eigenen Katalog und der Frage, was von einem Lied übrig bleibt, wenn man seine gewohnte Verpackung entfernt.

Für Vincent und Dag bedeutet das gleichzeitig einen ziemlich umfangreichen Griff ins eigene Archiv. Mehr als 25 Jahre SDP bieten genügend Material, um nicht nur einzelne Songs umzudekorieren, sondern die eigene Geschichte aus einer anderen musikalischen Perspektive zu betrachten. Bei JazzDP werden die bekannten Stücke zum Rohmaterial für Bigband-Arrangements. The Capital Dance Orchestra schafft dafür den großen instrumentalen Rahmen, während Vincent und Dag ihre Songs in dieser neuen Umgebung wiederfinden müssen. Gerade weil die Vorlagen über viele Jahre hinweg entstanden sind, steckt in dem Projekt auch eine ungewöhnliche Form der Rückschau: nicht chronologisch erzählt, nicht als Best-of einfach neu verpackt, sondern über neue Arrangements hörbar gemacht. „Endlich richtige Musik!“ nimmt diese Rückschau allerdings nie so ernst, dass der Witz verloren ginge. Schon JazzDP als Name reicht eigentlich als Ansage. Das Projekt lebt davon, dass SDP ihre eigene musikalische Vergangenheit gleichzeitig würdigen und veräppeln können. Zwischen großer Bigband, Smoking und alten Songs entsteht dadurch keine ehrfürchtige Museumsführung durch zweieinhalb Jahrzehnte Bandgeschichte. Eher haben Vincent und Dag nachts das eigene Archiv aufgeschlossen, sämtliche Möbel umgestellt und am nächsten Morgen The Capital Dance Orchestra hineingesetzt. Die Jeans können derweil im Schrank bleiben.

Video

Anzeige
Anzeige

Musik-Newsletter