Simone Cerovina macht aus der Liebe ihrer Eltern einen Song
Bei manchen Liebesgeschichten braucht es weder Rosen noch ein filmreifes erstes Date. Manchmal reicht ein Streichholz, das seinen Job nicht macht. Genau so beginnt die Geschichte hinter „Ein Leben lang Liebe“ von Simone Cerovina. Ihr Vater Bernd versuchte an einem Abend, sich mit Streichhölzern eine Zigarette anzuzünden. Das klappte offenbar eher mäßig. Brunhild bemerkte seinen kleinen Kampf mit dem Feuer, sprach ihn an und half aus. Ihre herzliche Art gefiel Bernd sofort. Ganz wollte er dem ersten Eindruck offenbar trotzdem nicht trauen: Mit einem Augenzwinkern schob er sie ein Stück ins Licht einer Laterne, um auch ihr Aussehen genauer betrachten zu können. Der Check unter der Straßenlaterne fiel positiv aus. Aus dieser beiläufigen Begegnung entwickelte sich eine Beziehung, die über viele gemeinsame Jahre Bestand hatte. Die beiden lachten miteinander, meisterten schwierige Phasen und gaben sich gegenseitig Halt. Bis heute, so die Geschichte zum Song, ist ihre Nähe groß und einer kaum ohne den anderen unterwegs. Für ihre Tochter Simone Cerovina wurde diese Beziehung zur Vorlage für „Ein Leben lang Liebe“. Nach Titeln wie „Weine einfach mal“ und „Der Himmel muss warten“ beschäftigt sie sich diesmal mit einer deutlich leichteren Geschichte aus ihrem persönlichen Umfeld. Statt erfundener Figuren stehen ihre eigenen Eltern im Zentrum des Liedes. Und deren Kennenlernen hätte sich vermutlich kein Songwriter am Schreibtisch besser ausdenken können: Ein widerspenstiges Streichholz, eine hilfsbereite Frau, eine Laterne und ein Mann, der seine neue Bekanntschaft erst einmal ins bessere Licht rückt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Musikalisch bleibt die Geschichte keineswegs bei romantischer Rückschau stehen. „Ein Leben lang Liebe“ läuft mit 134 BPM und ist als tanzbarer Pop-Schlager angelegt. Ein treibender Rhythmus gibt das Tempo vor und unterscheidet die Nummer damit von den nachdenklicheren Vorgängern „Weine einfach mal“ und „Der Himmel muss warten“. Inhalt und musikalische Gestaltung folgen diesmal derselben Richtung: Gefeiert wird eine Partnerschaft, die nicht nur den schönen Anfang überlebt hat, sondern auch die Jahre danach. Bernd und Brunhild dienen als konkretes Beispiel dafür. Sie haben gute Zeiten miteinander erlebt, Schwierigkeiten ausgehalten und sind einander nah geblieben. Genau dieser langfristige Blick unterscheidet die Geschichte von den üblichen Songs über den ersten großen Moment des Verliebtseins. Hier geht es weniger um Herzklopfen nach drei Tagen als um die Frage, was nach Jahren noch davon übrig ist. Vertrauen, Nähe und gegenseitiger Halt gehören entsprechend zu den zentralen Motiven. Dass Simone Cerovina dafür eine Geschichte aus ihrer eigenen Familie verwendet, gibt dem Text einen klaren Ausgangspunkt. Sie schreibt über Menschen und Erlebnisse aus ihrem direkten Umfeld, statt für den Song eine möglichst universelle Romanze zu konstruieren. Gleichzeitig ist die Situation leicht nachvollziehbar: Zwei Menschen begegnen sich eher zufällig, entscheiden sich füreinander und bleiben auch dann zusammen, wenn das gemeinsame Leben längst nicht mehr nur aus ersten Blicken unter Straßenlaternen besteht. Der schnelle Rhythmus verhindert dabei, dass die Rückschau musikalisch allzu sentimental gerät. Mit 134 BPM darf die Familienchronik auf die Tanzfläche.
Damit bekommt „Ein Leben lang Liebe“ einen interessanten Kontrast. Die Vorlage reicht mehrere Jahrzehnte zurück, die musikalische Umsetzung ist auf Bewegung und Tempo ausgelegt. Das passt auch zu den Anlässen, für die sich der Titel anbietet: Hochzeiten, Jubiläen oder Familienfeiern liegen bei einer Geschichte über eine langjährige Partnerschaft ziemlich nahe. Vor allem bei Hochzeiten dürfte die Frage nach einer Liebe fürs ganze Leben ohnehin nicht lange erklärt werden müssen. Cerovina erzählt allerdings nicht nur vom Wunsch danach. Mit Bernd und Brunhild hat sie das Beispiel direkt in der eigenen Familie gefunden. Gerade die Details ihres Kennenlernens bleiben hängen, weil sie so wenig nach zurechtgelegter Romanze klingen. Ein Mann bekommt seine Zigarette nicht an. Eine Frau hilft ihm. Er findet sie sympathisch und schiebt sie vorsichtshalber noch einmal unter eine Laterne. Daraus entsteht eine jahrzehntelange Beziehung. Romantik kann erstaunlich pragmatisch anfangen. „Ein Leben lang Liebe“ macht daraus einen Pop-Schlager mit 134 BPM, dessen Geschichte vom ersten Kennenlernen bis zum gemeinsamen Älterwerden reicht. Für Simone Cerovina ist das zugleich ein Wechsel der Perspektive gegenüber ihren nachdenklicheren Songs: Diesmal schaut sie auf eine Erfahrung, die für sie unmittelbar mit der eigenen Familie verbunden ist und von Zusammenhalt über viele Jahre erzählt. Ohne Bernd, Brunhild und dieses eine störrische Streichholz hätte es den Song in dieser Form wohl nicht gegeben. Manchmal entscheidet eben nicht Amor über den Anfang einer Liebesgeschichte, sondern ganz banal die Frage, wer gerade Feuer hat.
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