Mit „und doch“ legt Sinu alias Sinan Köylü ein Debüt hin, das sich nicht lange mit Genre-Schubladen aufhält. Statt klarer Linien gibt’s hier ein Wechselspiel aus Gefühl, Sprache und Sound, das irgendwo zwischen Melancholie, Rausch und dieser leisen Ahnung von Vergänglichkeit schwebt. Das Album wirkt wie ein durchgehender Gedankengang – mal ruhig und reflektiert, dann wieder fast schon unruhig und treibend. Genau dieser Kontrast sorgt dafür, dass „und doch“ nicht einfach nebenbei läuft, sondern Aufmerksamkeit einfordert. Es geht um Liebe, aber eben nicht nur die schöne Version davon, sondern auch um die brüchigen Momente dazwischen.
Spannend wird’s vor allem in der Sprache. Sinu spielt mit Deutsch und Türkisch, ohne dass es wie ein Stilmittel wirkt, das man einmal kurz zeigt und dann abhakt. Stattdessen fließen beide Sprachen ineinander und erzeugen eine eigene Klangwelt. Das Deutsche kommt oft lyrisch und fast schon fließend daher, kann aber plötzlich hart und analytisch werden, wenn’s inhaltlich kippt. Das Türkische bringt dazu eine zusätzliche Tiefe und Wärme rein, die den Songs nochmal eine andere Farbe gibt. Diese Mischung wirkt nicht konstruiert, sondern ziemlich organisch – als würde genau so gedacht und gefühlt werden. Dadurch entstehen Bilder, die sich nicht direkt erklären, sondern eher nach und nach greifen.
Über allem steht die Stimme von Sinu, die das Ganze zusammenhält. Tief, warm und ruhig im einen Moment, dann wieder überraschend intensiv, wenn sie in hohe Lagen kippt oder fast schon zerbrechlich wirkt. Diese Dynamik passt perfekt zum Album selbst, das ständig zwischen Nähe und Distanz wechselt. „und doch“ ist kein Album für den schnellen Konsum, sondern eher eines, das man Stück für Stück entdeckt. Kein klassischer Pop-Ansatz, kein glattgebügelter Sound – dafür ein Debüt, das sich traut, anders zu sein und genau darin seine Stärke findet. Ein Album, das nicht alles erklärt, aber ziemlich viel fühlen lässt.