Cover: Steve Hackett & Steve Rothery - The Roaring Waves
7/8
mix1 Bewertung

Hackett & Rothery: „The Roaring Waves“ nimmt Kurs aufs Meer

Steve Hackett und Steve Rothery haben sich für „The Roaring Waves“ viel Zeit gelassen. Fast acht Jahre vergingen während der Entstehung des gemeinsamen Albums, die grundsätzliche Idee dazu war sogar schon drei Jahre vor Beginn der eigentlichen Arbeit aufgekommen. Herausgekommen sind sieben Instrumentalstücke, die ein gemeinsames Thema verbindet: die Tiefe des Meeres. Für Rothery hat dieser Gedanke einen sehr persönlichen Ursprung. Seine Erinnerungen führen nach Whitby, wo er im Winter bei stürmischem Wetter das Rauschen der Wellen hören konnte. Er beschreibt den Ort seiner Jugend als poetisch und prägend. Das Meer wird auf „The Roaring Waves“ deshalb nicht einfach als hübsche maritime Kulisse benutzt, sondern geht auf konkrete Erinnerungen Rotherys zurück. In den sieben Stücken verarbeitet er gemeinsam mit Hackett, was diese Umgebung für ihn bedeutete. Musikalisch reicht das Spektrum laut Beschreibung von gekonnt absurden Momenten bis zu erhabeneren Passagen. Gesang gibt es nicht, die Erzählung liegt vollständig bei den Instrumenten. Zwei Gitarristen mit jahrzehntelanger Erfahrung treffen damit auf ein Thema, das genügend Raum für unterschiedliche Stimmungen bietet. Dass ausgerechnet ein Album über das Meer eine derart lange Entstehungsgeschichte besitzt, hat nebenbei eine gewisse passende Langsamkeit. Hier kam eben nicht alles in einer großen Welle.

Der Grund für die lange Produktionszeit war allerdings deutlich profaner als jede maritime Symbolik: Beide Musiker waren mit ihren eigenen Projekten und Tourneeplänen beschäftigt. Teilweise lagen Monate zwischen den gemeinsamen Arbeitsphasen. Wenn Zeit vorhanden war, trafen sich Hackett und Rothery im Racket Club oder arbeiteten in ihren jeweiligen Heimstudios. Hackett beschreibt die Herangehensweise als bewusst „old school“ – vergleichbar mit Freunden, die sich in einer Garage treffen, gemeinsam spielen und Zeit miteinander verbringen. Das ist ein interessantes Detail, weil „The Roaring Waves“ damit weniger nach einem streng durchgetakteten Studioprojekt klingt als nach einer Zusammenarbeit, die sich immer dann weiterentwickelte, wenn beide Musiker tatsächlich zusammenkommen konnten. Die einzelnen Sessions brachten genügend Material hervor, um die sieben Instrumentalstücke Stück für Stück aufzubauen. Trotz der langen Unterbrechungen blieb das Meer die gemeinsame thematische Klammer. Die Gitarren übernehmen dabei zwangsläufig Aufgaben, die bei einem Songalbum häufig Gesang und Texte erledigen würden. Konkrete Angaben zu einzelnen Gitarrenmodellen, Verstärkern, Effekten oder weiteren beteiligten Musikern liegen nicht vor. Bekannt sind dagegen die Aufnahmeorte und der zeitliche Rahmen. Gerade die Kombination aus Racket Club und Heimstudios passt zu Hacketts Beschreibung der Zusammenarbeit: keine permanente gemeinsame Studiositzung, sondern wiederkehrende Treffen zweier Musiker, deren Terminkalender offenbar ähnlich leicht zusammenzubringen waren wie zwei Schiffe bei dichtem Nebel.

Auch technisch bekommt „The Roaring Waves“ mehrere unterschiedliche Ausführungen. Das Album erscheint unter anderem als limitiertes CD- und Blu-ray-Mediabook. Für diese Fassung fertigte Andy Bradfield Dolby-Atmos-Mixes an. Vinylhörer bekommen eine Gatefold-Ausgabe auf 180-Gramm-LP samt LP-Booklet. Das Half-Speed Mastering übernahm Miles Showell in den Abbey Road Studios. Daneben sind ein Standard-CD-Jewelcase sowie eine digitale Version vorgesehen. Eine gemeinsame Tour zu dem Projekt ist dagegen nicht geplant. Hackett und Rothery können nach aktuellem Stand keine Zeit für entsprechende Live-Auftritte freimachen; selbst ein weiteres gemeinsames Album ist derzeit kein konkretes Thema. „The Roaring Waves“ bleibt somit zunächst ein einzelnes Projekt, entstanden über viele Jahre und zwischen den sonstigen Verpflichtungen zweier viel beschäftigter Gitarristen. Das passt auf seine Weise zur Geschichte hinter der Musik. Rotherys Erinnerungen an Whitby, stürmische Winter und das hörbare Rauschen der Wellen bilden den persönlichen Ausgangspunkt, während Hackett und Rothery daraus sieben instrumentale Stücke entwickelt haben. Die verschiedenen physischen Ausgaben tragen diese Arbeit schließlich in unterschiedliche Hörumgebungen – vom Dolby-Atmos-Mix bis zum Half-Speed-gemasterten Vinyl. Ob es bei diesem einen gemeinsamen Album bleibt, wissen offenbar nicht einmal die Beteiligten. Vorerst endet die Fahrt jedenfalls nach sieben Stücken. Das Meer dürfte davon ziemlich unbeeindruckt weiterrauschen.
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Tracklist

01 The Storm 06:50
02 Sandsend 04:45
03 Red Dragon 04:18
04 The Roaring Waves 07:11
05 K-129 07:53
06 The Black Sea 06:41
07 Pacific Coast Highway 07:30
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