Steven Wilson denkt bei „Requiem For A Village“ offenbar nicht in klassischen Albumgrenzen. Das 54-minütige Werk ist als eine Art „Film für die Ohren“ angelegt und führt in ein Dorf, das sich einer konkreten Zeit oder einem realen Ort entzieht. Dort tauchen seltsame Archetypen und Motive unheimlicher Folklore auf. Die Handlung beziehungsweise Erzählung bekommt dabei eine Stimme, die vielen ziemlich bekannt vorkommen dürfte: Schauspieler David Tennant übernimmt den erzählerischen Part.
Auch musikalisch hält sich Wilson nicht an ein einzelnes Fach im Plattenregal. Dark Folk, Rock und Electronica bilden die drei genannten Eckpunkte von „Requiem For A Village“. Diese Mischung passt zum filmischen Konzept: Statt lediglich eine Sammlung einzelner Stücke nebeneinanderzustellen, ist das Album als zusammenhängende Welt beschrieben. Dorfleben klingt hier also eher nicht nach Dorfplatz, Blaskapelle und anschließendem Kuchenbuffet. Im Zentrum stehen vielmehr Figuren und Folklore eines erfundenen Ortes, dessen fehlende geografische Koordinaten ausdrücklich Teil der Idee sind.
Einen weiteren Namen bringt das Songwriting ins Spiel. Steven Wilson schrieb das Album gemeinsam mit Andy Partridge, bekannt als Mitglied und Songwriter von XTC. Damit treffen bei „Requiem For A Village“ Wilsons Arbeit zwischen Rock und elektronischer Musik, Partridges Erfahrung als Autor und Tennants Erzählstimme aufeinander. Laut Beschreibung handelt es sich zugleich um Wilsons bislang persönlichstes und fantasiebetontestes Werk. Die konkreteren Angaben machen allerdings schon genug neugierig: 54 Minuten, ein Dorf außerhalb von Zeit und Raum, merkwürdige Bewohner und David Tennant als Erzähler. Für gewöhnlichen musikalischen Landurlaub dürfte das kaum durchgehen.