STROM – „Ich krieg das selbst raus“ als Solo-Single
„Ich krieg das selbst raus“ ist bei STROM mehr als ein griffiger Songtitel. Die Single entstand ohne Label-Prozess, wurde von ihm selbst produziert und beschäftigt sich mit Dingen, bei denen im Alltag selten jemand mit fertiger Gebrauchsanweisung danebensteht: Steuern, Liebe, das echte Leben. STROM bezeichnet den Track als Do-it-yourself-Manifest. Bevor daraus eine fertige Veröffentlichung wurde, existierte allerdings nur ein Proof of Concept. Eine frühe Version teilte er mit seiner TikTok-Community, um zu sehen, ob die Idee auch außerhalb der eigenen Session hängen bleibt. Die Resonanz fiel laut STROM eindeutig aus. Also wurde nicht monatelang am Reißbrett über Strategien diskutiert, sondern der Song fertiggestellt. Musikalisch beschreibt STROM seinen Ansatz als Mischung aus Sido und Bausa, radiokompatibel und mit Substanz. Damit sind die Koordinaten ziemlich klar gesteckt: Deutschrap mit zugänglicher Ausrichtung, während der Text nicht zum Platzhalter zwischen Hook und nächster Hook werden soll. Produziert hat STROM selbst. Für Mix und Master kam Bizzy Mo dazu, der Gold- und Platin-Auszeichnungen vorweisen kann. Das technische Finish liegt damit bei einem externen Engineer, die eigentliche Produktion bleibt beim Künstler. Eine Arbeitsteilung, die wesentlich konkreter ist als das oft recht großzügig verwendete Etikett „alles selbst gemacht“.
Dass STROM ausgerechnet einen Song namens „Ich krieg das selbst raus“ veröffentlicht, hat mit seiner bisherigen Laufbahn eine gewisse Logik. Musik macht er seit seinem elften Lebensjahr, sein Handwerk eignete er sich autodidaktisch an. Später war er zwei Jahre bei Frio gesignt. Der Gold- und Platin-Produzent hat unter anderem mit Ayliva gearbeitet; für STROM wurde diese Zeit zur Gelegenheit, die eigene Arbeit weiterzuentwickeln. Danach ging es wieder deutlich eigenständiger weiter. Gemeinsam mit Scapecher entstand ein komplettes Kollabo-Album, dessen Produktion STROM vollständig übernahm. Acht Singles gehörten zu diesem Projekt, jeweils im Abstand von zwei Wochen veröffentlicht und ebenfalls ohne Label-Struktur. Diese Vorgeschichte ist für die neue Solo-Single nicht bloß biografischer Beipackzettel. Sie erklärt, weshalb der Do-it-yourself-Gedanke im Song nicht sonderlich weit von STROMs tatsächlicher Arbeitsweise entfernt liegt. Er kennt sowohl das Arbeiten innerhalb professioneller Strukturen als auch die andere Seite, bei der Veröffentlichung, Produktion und Organisation nicht einfach an eine Label-Abteilung weitergereicht werden können. Genau zwischen diesen Erfahrungen landet nun sein erster Solo-Track des Jahres. Die Selbstständigkeit im Titel ist also nicht aus einer Promo-Idee entstanden, sondern lässt sich ziemlich direkt mit den vergangenen Projekten verbinden.
Der interessanteste Teil an „Ich krieg das selbst raus“ steckt deshalb in der Kombination aus Inhalt und Entstehung. STROM schreibt über alltägliche Baustellen, produziert den Song selbst und testet eine frühe Fassung zunächst dort, wo potenzielle Hörer ohnehin unterwegs sind. TikTok fungierte in diesem Fall nicht nur als Kanal für einen fertigen Ausschnitt, sondern bereits während der Entwicklung als Resonanzraum. Erst das Feedback auf den Proof of Concept führte zur Fertigstellung. Danach übernahm Bizzy Mo Mix und Master. Mehr Produktionskette braucht die Geschichte eigentlich nicht. Auch die genannten Themen bleiben bewusst lebensnah: Steuern neben Liebe klingt zunächst wie eine Themenplanung nach drei offenen Browser-Tabs und einer unbeantworteten Nachricht, passt aber zum Grundgedanken des Stücks. Erwachsenwerden besteht schließlich selten nur aus einer Sorte Problem. Genau dieses Selberklären bildet den roten Faden des Songs. Gleichzeitig bringt STROM genug Produktionserfahrung mit, um die Idee nicht nur textlich zu formulieren. Vom autodidaktischen Einstieg über die Zeit bei Frio bis zum eigenständig produzierten Kollabo-Projekt mit Scapecher zieht sich das Selbermachen bereits durch seine Biografie. „Ich krieg das selbst raus“ bündelt diesen Hintergrund nun in einer Solo-Single, bei der Titel, Inhalt und Produktionsweise ungewöhnlich sauber ineinandergreifen. Kein Label-Prozess, eine vorab getestete Songidee, eigene Produktion und Bizzy Mo am finalen Mix und Master – ziemlich konkrete Eckdaten für einen Track, dessen Grundgedanke schon im Namen steht.
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