Mit „Automatenhalle“ startet Produzent und Musiker Rico Puestel ein neues Kapitel – und zwar unter dem Projektnamen Tetzlaff. Wer in der elektronischen Szene unterwegs ist, kennt Puestel unter anderem durch seine Veröffentlichungen auf Cocoon Recordings, dem Label von Techno-Pionier Sven Väth. Doch statt Clubtracks steht hier etwas anderes im Mittelpunkt: ein Album, das sich wie ein musikalischer Film anfühlt. „Automatenhalle“ wirkt weniger wie eine klassische Track-Sammlung, sondern eher wie ein Soundtrack zu einer Geschichte. Genau das ist auch die Idee dahinter. Die Musik basiert auf Puestels Erzählung „Die Unbekannte“, die parallel als Taschenbuch und eBook erscheint. Darin geht es um den 16-jährigen Florian, der in seinem Leben noch nie gesprochen hat und in seiner Lieblingsspielhalle „Arcadewelt“ plötzlich in eine mysteriöse Reise gerät. Die Atmosphäre dieser Geschichte zieht sich durch das komplette Album.
Musikalisch bewegt sich „Automatenhalle“ irgendwo zwischen elektronischer Minimalästhetik und sehr reduzierter Songstruktur. Statt großer Beats oder typischer Club-Dramaturgie setzt Puestel auf klare Melodien, analoge Klänge und viel Raum zwischen den Tönen. Das Ganze fühlt sich manchmal fast wie eine Klanginstallation an – ruhig, leicht nostalgisch und gleichzeitig modern produziert. Besonders spannend ist dabei der Produktionsansatz: Viele der verwendeten Instrumente sind analoge Geräte, die Puestel über Jahre hinweg gebraucht gekauft, repariert und wieder zum Leben erweckt hat. Diese Herangehensweise gibt der Musik eine leicht raue, organische Textur. Gleichzeitig spürt man den Einfluss seiner Singer-Songwriter-Seite, die er unter dem Namen Rico Friebe auslebt. Dadurch entsteht eine Mischung aus elektronischem Sounddesign und klassischem Songwriting, die nicht unbedingt auf den Dancefloor zielt, sondern eher auf Atmosphäre und Storytelling.
„Automatenhalle“ ist außerdem erst der Anfang eines größeren Projekts. Das Album bildet den ersten Teil einer geplanten Trilogie. Die Geschichte und musikalische Welt werden in den kommenden Releases „Interkontinental“ und „Konsumwelt“ weitergeführt. Damit entwickelt Puestel ein zusammenhängendes Universum aus Musik und Literatur. Ein zentrales Stück des Albums ist die einzige Single „Die Unbekannte“. Hier ist seine Stimme fast unverfälscht zu hören – eine Seltenheit, weil viele der anderen Tracks stärker instrumental geprägt sind. Inhaltlich greift der Song die entscheidenden Momente der Geschichte auf und funktioniert damit wie ein Schlüssel zur gesamten Erzählung. Wer also wissen will, wie sich elektronische Musik, Literatur und nostalgische Arcade-Stimmung verbinden lassen, bekommt mit „Automatenhalle“ einen ziemlich ungewöhnlichen Einstieg in diese Welt.