Cover: The Afghan Whigs - Soft Control
7/8
mix1 Bewertung

The Afghan Whigs veröffentlichen „Soft Control“

The Afghan Whigs kommen mit ihrem neuen Studioalbum „Soft Control“ auf zehn Songs – und treffen damit ausgerechnet auf das 40-jährige Bestehen der Band. Vier Jahrzehnte sind im Rockgeschäft eine ziemlich stattliche Hausnummer, zumal die Gruppe aus Ohio ihre eigene Handschrift längst gefunden hat. Soulige Elemente treffen auf rauen Rock, vorne steht Greg Dulli am Mikrofon. Sein Gesang gehört seit Jahren zu den markanten Bestandteilen des Afghan-Whigs-Sounds. Auch auf dem neuen Material bleibt diese Kombination erhalten. Statt zum Jubiläum lediglich das Archiv zu öffnen und alte Geschichten aufzuwärmen, packt die Band zehn neue Stücke auf ein Album. Zwei davon sind bereits als Singles bekannt: „House Of I“ und „Duvateen“. Damit gibt „Soft Control“ dem runden Bandjubiläum einen ziemlich konkreten Soundtrack – neues Material statt reiner Rückschau.

Die Geschichte der Afghan Whigs reicht inzwischen über vier Jahrzehnte, doch „Soft Control“ ist nicht als bloße Geburtstagsbeilage angelegt. Entscheidend ist zunächst das Material selbst. Zehn neue Songs bilden das Album, wobei die Band ihrem bekannten Spannungsfeld aus Soul und kantigem Rock treu bleibt. Gerade diese Mischung gehört seit Langem zur musikalischen Identität der Gruppe. Das Raue wird nicht glattgebügelt, die Soul-Seite bleibt ebenfalls Teil des Gesamtbilds. Dazu kommt Dullis Stimme, die innerhalb dieses Sounds eine zentrale Rolle einnimmt. Bei den Afghan Whigs war Gesang schließlich nie nur sauber über die Gitarren gelegt; seine charakteristische, expressive Art gehört unmittelbar zur Wirkung der Songs. „House Of I“ und „Duvateen“ fungieren als Vorboten des Albums und geben vorab Einblick in die aktuelle Phase der Band. Mehr muss man daraus gar nicht konstruieren. Ein Album mit zehn neuen Stücken nach 40 Jahren Bandgeschichte ist bereits eine bemerkenswerte Ansage, ohne dass dafür die große Rock'n'Roll-Pathosmaschine angeworfen werden müsste.

Interessant ist vor allem das Timing von „Soft Control“. Während andere Bands ein rundes Jubiläum gern mit Best-of-Paketen, Neuauflagen und tiefen Griffen ins Fotoarchiv begehen, fällt bei den Afghan Whigs der Blick auf neue Songs. Vergangenheit und Gegenwart liegen dadurch automatisch dicht nebeneinander, ohne dass das Album deshalb als Rückschau funktionieren muss. Die Eckpunkte sind klar: zehn Stücke, Greg Dulli als Frontmann, die Singles „House Of I“ und „Duvateen“ sowie jener soulige, raue Rock, mit dem die Gruppe verbunden wird. Für langjährige Hörer dürfte gerade diese Kontinuität interessant sein. Wer die Band erst entdeckt, bekommt wiederum kein historisches Sammelpaket, sondern ein reguläres Studioalbum aus der aktuellen Schaffensphase. Nach vier Jahrzehnten muss schließlich niemand mehr erklären, dass die Afghan Whigs eine lange Geschichte haben. Spannender ist, dass diese Geschichte nicht einfach mit Kerzen auf einer Jubiläumstorte gefeiert wird. „Soft Control“ fügt ihr zehn neue Kapitel hinzu – und die Band macht lieber Musik, als sich selbst ein Denkmal hinzustellen.
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Tracklist

01 Jungle Roux
02 House Of I
03 Duvateen
04 My Lover
05 The Deepest Of The Darkest Shadow
06 Mariah Luster
07 Memphis, Texas
08 77
09 Loose Talk
10 A Simulation
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