Mit ihrem dritten Album „Never Surrender“ liefern The Oriental Voodoo Conference genau das, was man sich von einem ungewöhnlichen Rockprojekt erhofft: ordentlich Druck, aber eben nicht von der Stange. Statt klassischer E-Gitarre steht hier die Baglama im Mittelpunkt – ein Instrument, das man eher aus traditioneller nahöstlicher Musik kennt. Klingt erstmal nach Kulturkurs, ist aber ziemlich das Gegenteil. Denn was die Band daraus macht, hat mehr mit verschwitztem Club-Gig als mit Folkloreabend zu tun. Die Saz feuert Riffs raus, die locker mit jeder Rockgitarre mithalten können, während Bass und Drums für das nötige Fundament sorgen. Das Ergebnis: ein Sound, der gleichzeitig vertraut und komplett neu wirkt.
Gegründet rund um Sänger und Saz-Spieler Matthias Ambs, funktioniert das Trio wie eine eingespielte Maschine. Harald Wendle am Schlagzeug und Andreas Schmidt am Bass halten die Tracks tight zusammen, während die Baglama zwischen Melodie und Rhythmus pendelt. Genau darin liegt der Reiz: Die Songs switchen mühelos zwischen treibenden Grooves und verspielten, fast hypnotischen Passagen. Man merkt schnell, dass hier nicht einfach Genres gemixt werden, sondern dass die Band ihren eigenen Stil gefunden hat. „Oriental Rock“ klingt erstmal wie ein Marketingbegriff, aber auf „Never Surrender“ bekommt er tatsächlich Substanz. Die orientalischen Skalen und Verzierungen wirken nie aufgesetzt, sondern sind fest in den Songs verankert.
Was das Album besonders spannend macht, ist diese ständige Bewegung zwischen Welten. Mal klingt ein Track nach staubiger Wüste und Roadtrip, dann wieder nach einem dreckigen Rockclub. Die Baglama übernimmt dabei eine Doppelrolle: Sie kann sanft und atmosphärisch sein, aber auch aggressiv und laut. Genau dieser Kontrast zieht sich durch das ganze Album und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird. Klar, das Konzept könnte theoretisch schnell gimmicky wirken – tut es aber nicht. Stattdessen fühlt sich alles ziemlich organisch an. „Never Surrender“ ist kein Album, das versucht, irgendwem etwas zu beweisen. Es macht einfach sein Ding – und genau das macht es so hörenswert.