Cover: The Warning - Everything's Falling
7/8
mix1 Bewertung

„Ritual“: The Warning zwischen Angst und Selbstsabotage

The Warning haben ihr fünftes Studioalbum „Everything’s Falling“ angekündigt. Für Daniela „Dany“ Villarreal, Paulina „Pau“ Villarreal und Alejandra „Ale“ Villarreal beginnt damit das nächste Kapitel nach „Keep Me Fed“. Enthüllt wurde das Album über eine eigens eingerichtete Website, veröffentlicht wird es über Lava/Republic Records. Parallel zur Ankündigung erschien „Ritual“, nach „Kerosene“ und „Ego“ der dritte Vorbote des Albums. Inhaltlich geht das Schwestertrio aus Monterrey diesmal an einen ziemlich fiesen Mechanismus im eigenen Kopf: die Angst, etwas Gutes schon wieder zu verlieren, obwohl eigentlich noch gar nichts passiert ist. Genau diese gedankliche Spirale beschreibt der Song. Das Leben läuft, trotzdem meldet sich die innere Katastrophenabteilung und beginnt vorsorglich mit der Planung des Untergangs. Laut Band geht es darum, sich in solchen Gedanken zu verfangen und dadurch den Moment nicht mehr wirklich erleben zu können. Angst, Fixierung und Selbstsabotage bilden entsprechend den Kern des Textes. Musikalisch treffen eindringliche Melodien auf schwere Instrumentals und einen deutlich herausgearbeiteten Refrain. Damit rückt „Ritual“ näher an die persönliche Seite des kommenden Albums als die bisherigen Vorabstücke. Wo „Kerosene“ und „Ego“ bereits erste Koordinaten vorgaben, legt der neue Song offen, welche inneren Konflikte auf „Everything’s Falling“ eine größere Rolle spielen werden.

Auch der Albumtitel passt zu diesem Gedanken. „Everything’s Falling“ beschreibt laut The Warning eine Momentaufnahme ihres derzeitigen Lebens. Die drei Schwestern blicken auf die vergangenen Jahre, ihre Entwicklung als Musikerinnen und als Menschen sowie auf Erfahrungen, Lektionen und überwundene Schwierigkeiten. Perfekt sortiert ist das alles ausdrücklich nicht. Gerade darin liegt die Idee der Platte. Pläne ändern sich, Dinge brechen auseinander, manchmal verliert man schlicht den Halt. Für Dany, Pau und Ale können genau solche Situationen viel über die eigene Person verraten und langfristig Widerstandskraft entstehen lassen. Das ist weniger eine hübsch verpackte Durchhalteparole als die Anerkennung, dass Entwicklung gelegentlich ziemlich unordentlich aussieht. Die personelle Aufstellung der Band ist dabei seit Jahren klar verteilt: Dany übernimmt Gitarre, Lead-Gesang und Klavier, Pau sitzt am Schlagzeug, singt und spielt ebenfalls Klavier, Ale ist für Bass, Klavier und Backing-Gesang zuständig. Ihre gemeinsame Geschichte begann bereits in der Kindheit in Monterrey. Independent-Veröffentlichungen brachten The Warning zunächst international Aufmerksamkeit, später folgte „ERROR“. Mit „Keep Me Fed“ kam das nächste große Studiokapitel, begleitet von Songs wie „MORE“, „S!CK“, „Hell You Call A Dream“, „Qué Más Quieres“, „Automatic Sun“ und „Burnout“. Dazu sammelte das Trio über die Jahre reichlich Bühnenerfahrung: Muse, Foo Fighters, Guns N’ Roses, Royal Blood, The Pretty Reckless, Three Days Grace und Imagine Dragons gehören zu den Acts, mit denen The Warning bereits auftraten. Eine Version von Metallicas „Enter Sandman“ nahmen sie gemeinsam mit Alessia Cara für „The Metallica Blacklist“ auf. Die Karriere des Trios ist also längst international aufgestellt; „Everything’s Falling“ entsteht vor diesem Hintergrund nicht am Anfang einer Entwicklung, sondern mitten in einer Phase, in der Tourneen, große Bühnen und neue Musik permanent ineinandergreifen.

Das lässt sich auch am weiteren Live-Programm ablesen. The Warning sind für Konzerte in Nordamerika, Europa, Asien und Südamerika vorgesehen, darunter eigene Headline-Shows, Festivalauftritte und Termine als Support von Yungblud auf dessen „IDOLS World Tour“. Zuvor hatten die Schwestern unter anderem bei den MTV VMAs auf der Extended Play Stage gespielt, Nominierungen bei den Latin GRAMMYs, MTV EMAs und MTV VMAs erhalten und waren in der französischen Musiksendung „Taratata“ zu Gast. Für Pepsi Black fungierten sie zudem in Mexiko als Markenbotschafterinnen. Parallel tauchte die Band in RockSound und Kerrang! ebenso auf wie in Vanity Fair, People, Cosmopolitan und Glamour. Interessanter als die bloße Liste der Stationen ist im Zusammenhang mit „Everything’s Falling“ allerdings der Kontrast dazu. Nach außen ist die Laufbahn der drei Musikerinnen stetig größer geworden, während sich das neue Material mit Kontrollverlust, Unsicherheit und den weniger aufgeräumten Seiten persönlicher Entwicklung beschäftigt. „Ritual“ bringt diesen Gegensatz besonders konkret auf den Punkt: Selbst wenn objektiv gerade vieles funktioniert, kann der Kopf längst am nächsten möglichen Desaster arbeiten. Statt diese Angst nur als dramatische Kulisse zu benutzen, beschreibt der Song ihre Konsequenz – wer ständig den Verlust erwartet, verpasst womöglich genau das Gute, dessen Ende er fürchtet. Zusammen mit „Kerosene“ und „Ego“ zeichnet sich dadurch ein Album ab, dessen Themen eng an den Erfahrungen der drei Schwestern hängen. „Everything’s Falling“ handelt nach ihren eigenen Aussagen von Veränderung, Rückschlägen, Wachstum und der Erkenntnis, dass ein Plan nicht immer halten muss. Für The Warning ist das ein bemerkenswert passender Ausgangspunkt für Album Nummer fünf.
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Tracklist

01 Ritual 03:24
02 Perfect Daughter 03:25
03 Everything’s Falling 03:50
04 Why Do You Like It When I Cry? 03:16
05 Bite My Tongue 03:19
06 Kill Or Be Killed 03:03
07 Ego 02:54
08 Bloodsport 03:19
09 Break 03:12
10 Bruises 03:09
11 Waste Your Time On Me 02:54
12 Kerosene 03:26

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