Cover: Thin Lassie - Invaders From Venus
7/8
mix1 Bewertung

Ruhrpott-Punk mit Raketenantrieb: Thin Lassie heben mit „Invaders From Venus“ ab

Schon der Bandname zeigt, dass Thin Lassie ihre Musik nicht bierernst verstanden wissen wollen. Auf „Invaders From Venus“ feuert das Duisburger Quartett vier Songs ab, die nach verrauchten Proberäumen, alten Sci-Fi-Heften und einer tiefen Liebe zum dreckigen Punkrock klingen. Die EP nimmt sich keine Zeit für Umwege, sondern startet direkt mit Energie, Charme und einem angenehm schrägen Humor, der nie in bloßen Klamauk kippt. Statt auf überladene Ideen setzt die Band auf kurze Wege, griffige Hooks und diesen leicht rotzigen Zug, der den Songs sofort Bewegung gibt. Das Resultat wirkt wie ein kleiner Ausflug in ein Paralleluniversum, in dem B-Movie-Ästhetik, Ruhrpott-Attitüde und melodischer Punk mühelos zusammenfinden.

Musikalisch bewegt sich „Invaders From Venus“ zwischen klassischem Punkrock, Garagenkante und verspielten Science-Fiction-Anspielungen. Die Gitarren gehen direkt nach vorne, der Bass hält die Stücke schön kompakt zusammen, und das Schlagzeug sorgt für genau den trockenen Druck, den diese Art von Songs braucht. Dazu kommen immer wieder kleine Details wie Orgel- oder Keyboardflächen, die dem Ganzen einen eigenen Charakter geben, ohne den rohen Kern zu verwässern. Besonders stark ist dabei, dass Thin Lassie ihre Ideen nicht übererklären. „Scruffy Looking Nerf Herder“, der Titelsong oder auch „The Lizard Men“ funktionieren, weil sie ihre Themen mit Tempo, Witz und dem richtigen Gespür für Eingängigkeit auf den Punkt bringen. Auch „My Ex From Mars“ zeigt, dass die Band nicht nur rumpeln, sondern auch Ohrwürmer schreiben kann, die trotz aller Schrägheit erstaunlich schnell hängenbleiben.

Am Ende ist „Invaders From Venus“ genau die Art von EP, die keine große Spielzeit braucht, um Wirkung zu entfalten. Thin Lassie liefern keinen hochpolierten Konzeptentwurf, sondern vier kompakte Songs mit Ecken, Spielfreude und einer klaren Handschrift. Das funktioniert vor allem deshalb so gut, weil hinter dem Humor echtes Songwriting steckt und die Platte nie den Fehler macht, ihre Gags über die Musik zu stellen. Wer mit schnörkellosem Punk, schmutzigem Charme und einer guten Portion Weltraum-Unfug etwas anfangen kann, bekommt hier eine kurzweilige Veröffentlichung mit Wiederhörwert. Keine Neuerfindung des Genres, aber eine sympathisch durchgeknallte EP, die genau weiß, was sie sein will.

Tracklist

1 Scruffy Looking Nerf Herder 02:37
2 Invaders from Venus 03:16
3 The Lizzard Man 01:24
4 My Ex from Mars 03:01