Thomas D macht auf „NEOCORTEX“ nicht einfach nur Musik, er legt ziemlich offen, was in seinem Kopf und Herzen seit Jahren so los ist. Das Album klingt wie das Resultat eines langen Gesprächs mit sich selbst – nur eben auf Beats, mit Soul, Hip-Hop und genau der Portion Wärme, die man bei ihm immer mochte. Die 12 neuen Songs wirken nicht hastig zusammengeschraubt, sondern eher wie Stücke, die wirklich Zeit hatten, zu wachsen. Genau das hört man auch: Da sitzt jede Zeile, jede Stimmung, jeder kleine Gedankenhaken. Statt auf Effekte und große Gesten zu setzen, geht Thomas D lieber den direkteren Weg. Ehrlich, ruhig, manchmal fast meditativ, dann wieder mit diesem feinen Gespür für Groove und Atmosphäre, das seine Solosachen schon immer besonders gemacht hat.
Dass The KBCS erneut mit an Bord sind, ist dabei mehr als nur eine Randnotiz. Die Band gibt „NEOCORTEX“ genau den Sound, den so ein persönliches Album braucht: organisch, warm, eingespielt und nie geschniegelt. Soul trifft auf Hip-Hop, ohne dass es nach Reißbrett klingt. Alles fließt angenehm, fast schwerelos, und genau dadurch bekommen die Texte noch mehr Raum. Auch die Features fügen sich sinnvoll ein, statt bloß als Namedropping zu funktionieren. Gu bringt frische Energie rein, ohne die Intimität des Albums zu stören. Besonders spannend ist aber „Federleicht“, die Zusammenarbeit mit Reinhard Mey. Das ist kein schneller Überraschungsmoment für die Promo, sondern wirkt wie ein echter Herzenswunsch, der endlich Form angenommen hat. Wenn Thomas D diese Begegnung mit der Aura eines Johnny Cash vergleicht, versteht man sofort, was gemeint ist: Es geht nicht nur um einen großen Namen, sondern um Haltung, Gravitas und eine Stimme, die etwas mitbringt, das man nicht künstlich erzeugen kann.
Gerade weil Die Fantastischen Vier weiterhin auf den großen Bühnen funktionieren, ist „NEOCORTEX“ als Solo-Album so interessant. Hier steht nicht der Entertainer im Vordergrund, sondern der Beobachter, der Suchende, der Typ, der lieber eine ehrliche Frage stellt als eine fertige Antwort raushaut. Thomas D zeigt sich nahbar, reflektiert und angenehm unaufgeregt. Das ist vielleicht die größte Stärke des Albums: Es will niemanden mit Gewalt beeindrucken und tut es am Ende gerade deshalb. „NEOCORTEX“ ist kein lautes Statement, sondern ein tiefes Durchatmen. Ein Werk, das sich Zeit nimmt und diese Zeit auch seinem Publikum zugesteht. Wer Lust auf schnelle Hits für nebenbei hat, wird hier vielleicht unruhig. Wer aber ein Album hören will, das etwas meint, etwas fühlt und dabei musikalisch verdammt rund klingt, dürfte ziemlich schnell merken: Thomas D hat hier keine Rolle gespielt, sondern einfach mal sich selbst sprechen lassen.