Cover: Till Lindemann - Live in Krakow
7/8
mix1 Bewertung

„Live In Krakow“ präsentiert Till Lindemanns komplette Show

Till Lindemann konserviert mit „Live In Krakow“ einen kompletten Konzertabend seiner „Meine Welt“-Tour. Aufgenommen wurde die Show in der TAURON Arena in Krakau und erscheint vollständig sowie unzensiert – eine wichtige Ansage bei einem Künstler, dessen Solokonzerte visuell und inhaltlich kaum für den gepflegten Hintergrundbetrieb gedacht sind. Statt einer auf Hits zusammengestutzten Konzertfassung dokumentiert die Veröffentlichung den Ablauf der Show von Anfang bis Ende. Los geht es mit dem Intro „Meine Welt“, danach folgen „Fat“ und „Und die Engel singen“. Schon die ersten Positionen der Tracklist machen klar, dass hier nicht nachträglich eine vermeintlich optimale Best-of-Reihenfolge konstruiert wurde. Entscheidend ist die Dramaturgie des Abends, so wie sie in Krakau tatsächlich auf die Bühne kam. „Schweiß“ und „Altes Fleisch“ führen weiter durch das Programm, bevor „Golden Shower“ und „Sport Frei“ übernehmen. Anschließend stehen „Tanzlehrerin“ und „Blut“ auf dem Plan. Damit greift „Live In Krakow“ Material aus verschiedenen Abschnitten von Lindemanns Arbeit außerhalb von Rammstein auf und hält es im Zusammenhang einer eigenständigen Soloshow fest. Der Titel ist entsprechend nüchtern gewählt: kein Rätsel, kein doppelter Boden. Krakau, live, fertig. Für die Zweideutigkeiten ist schließlich schon in den Songs ausreichend Platz.

In der Mitte des Konzerts folgen „Allesfresser“ und „Prostitution“, bevor mit „Praise Abort“ und „Platz 1“ Stücke aus der gemeinsamen Lindemann-Phase mit Peter Tägtgren auftauchen. Auch „Skills in Pills“ gehört später in diesen Teil der musikalischen Rückschau. Dazwischen steht „Du hast kein Herz“. Die Setlist trennt damit älteres und jüngeres Solomaterial nicht sauber voneinander, sondern mischt die verschiedenen Stationen innerhalb des Konzertablaufs. Genau das ist für eine vollständige Live-Aufzeichnung interessanter als eine nachträglich sortierte Werkschau. Zu sehen und zu hören ist eine konkrete Show mit ihrem eigenen Spannungsbogen. Nach „Skills in Pills“ geht es mit „Übers Meer“ weiter, danach folgen „Knebel“ und „Fish On“. Gerade diese Zusammenstellung verdeutlicht, wie umfangreich Lindemanns Repertoire abseits seiner Hauptband inzwischen ist. Gleichzeitig bleibt die Veröffentlichung eng an der „Meine Welt“-Tour und deren Inszenierung. Das Konzert wird nicht lediglich als Tonquelle behandelt, sondern als Gesamtproduktion dokumentiert. Bei einem Bühnenprogramm, das stark über visuelle Gestaltung funktioniert, ist das ein wesentlicher Punkt. Die industrielle, dunkel gehaltene Bildsprache der Veröffentlichung greift diese Ausrichtung auch im Artwork auf: Blaugrüne Farbtöne, Brücken- beziehungsweise Stahlkonstruktionen und theatralisch inszenierte Musiker führen die Ästhetik der Show außerhalb der Arena weiter.

Gegen Ende steht „Ich hasse Kinder“ an Position 19 und bildet den regulären Abschluss der aufgeführten Konzerttitel. Einen zusätzlichen Schlusspunkt gibt es auf Blu-ray: „Home Sweet Home“ fungiert dort als Outro und bringt die Trackzahl auf 20. Wer „Live In Krakow“ chronologisch verfolgt, bekommt damit keine lose Auswahl einzelner Liveversionen, sondern den vollständigen Verlauf des Abends – vom ersten Intro bis zum letzten Ausklang. Das unterscheidet die Veröffentlichung von Konzertmitschnitten, bei denen Songs gekürzt, umgestellt oder komplett entfernt werden. Hier gehört die Abfolge ausdrücklich zum Konzept. „Fat“, „Und die Engel singen“, „Altes Fleisch“, „Sport Frei“, „Tanzlehrerin“, „Du hast kein Herz“ und „Übers Meer“ stehen neben älteren Titeln wie „Praise Abort“, „Skills in Pills“, „Knebel“ und „Fish On“. Dadurch dokumentiert der Mitschnitt gleichzeitig, wie Lindemanns Solokatalog in einem aktuellen Bühnenprogramm zusammengeführt wird. Die TAURON Arena in Krakau wird dabei zum Schauplatz einer Produktion, die Musik und visuelle Inszenierung als zusammengehörige Bestandteile behandelt. „Live In Krakow“ ist deshalb vor allem ein Tourdokument: keine neu arrangierte Rückschau, sondern die festgehaltene „Meine Welt“-Show in voller Länge. Dass ausgerechnet „Home Sweet Home“ auf der Blu-ray das letzte Wort bekommt, besitzt nebenbei einen passenden kleinen Haken. Nach knapp 20 Titeln aus Lindemanns ziemlich eigener Welt geht es am Ende tatsächlich nach Hause.
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Tracklist

01 Intro Meine Welt (Live In Krakow) - E 01:22
02 Fat (Live In Krakow) - E 04:14
03 Und die Engel singen (Live In Krakow) 04:04
04 Schweiss (Live In Krakow) 04:14
05 Altes Fleisch (Live In Krakow) - E 04:27
06 Golden Shower (Live In Krakow) - E 04:56
07 Sport frei (Live In Krakow) - E 04:34
08 Tanzlehrerin (Live In Krakow) - E 04:24
09 Blut (Live In Krakow) 04:55
10 Allesfresser (Live In Krakow) 04:05
11 Prostitution (Live In Krakow) - E 03:39
12 Praise Abort (Live In Krakow) - E 05:05
13 Platz Eins (Live In Krakow) 05:22
14 Du hast kein Herz (Live In Krakow) 04:11
15 Skills in Pills (Live In Krakow) - E 04:24
16 Übers Meer (Live In Krakow) 03:23
17 Knebel (Live In Krakow) 01:55
18 Fish On (Live In Krakow) - E 04:27
19 Ich hasse Kinder (Live In Krakow) 04:23
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