Cover: Tinkicker - The Forbidden Fruit
7/8
mix1 Bewertung
EP

The Forbidden Fruit

Tinkicker

Label: NRT-Records
Kategorie: Rock | Progressive Rock
Veröffentlichung: 27.03.2026

Tinkicker: Progressive Rocker machen „The Forbidden Fruit“ zur schweren Versuchung mit metallischem Nachgeschmack

Wenn eine Band seit Jahren als „Pink Sabbath“ bezeichnet wird, klingt das zunächst nach einem dieser griffigen Szene-Kosenamen, die schneller erfunden als verdient sind. Bei Tinkicker passt diese Beschreibung allerdings erstaunlich gut. Die 2006 gegründete Formation aus dem dänischen Kopenhagen hat sich mit genau dieser eigenwilligen Mischung aus schwerem Riffing, dunkler Atmosphäre, psychedelischem Unterton und progressivem Feingefühl eine markante Identität erarbeitet. Dass sie dabei früh internationale Aufmerksamkeit bekamen und sogar von Rockkritiker Geoff Barton für eine Album-des-Jahres-Nominierung im Umfeld von Classic Rock genannt wurden – weithin als Premiere für eine dänische Band gehandelt –, wirkt heute nicht wie eine Fußnote, sondern wie eine logische Station auf einem Weg, den man in ihrer Musik noch immer hört. „The Forbidden Fruit“ ist dafür ein weiteres starkes Beispiel: eine EP, die düster, druckvoll und melodisch gleichermaßen daherkommt und ihre Reize nicht auf den ersten Blick komplett preisgibt.

Musikalisch lebt diese Veröffentlichung davon, dass Tinkicker Härte nicht mit stumpfer Masse verwechseln. Die Gitarren bauen Druck auf, ohne alles zuzukleistern, Bass und Schlagzeug arbeiten mit spürbarer Präzision unter der Oberfläche, und immer wieder entstehen durch Synthesizer und Keyboards genau jene schattenhaften Farbtöne, die dem Material seine leicht giftige, fast halluzinogene Stimmung verleihen. Vor allem aber ist da Klaus Bastians Stimme, die wie geschaffen ist für diese Art von Sound. Tief, warm, markant und mit jener kontrollierten Dramatik versehen, die selbst ruhigere Passagen unter Spannung hält. Das macht Songs wie „He Said She Said“ oder „Mother Valium“ besonders wirkungsvoll, weil sie eben nicht nur auf Gewicht setzen, sondern auf Atmosphäre, Dynamik und psychologische Dichte. „Spitting Venom“ zieht die Schrauben hörbar an und verbindet Schärfe mit Groove, während „There’s Not Enough Drugs In The World“ seine Schwermut in breite, schwer atmende Strukturen gießt, ohne jemals in bloßes Pathos abzurutschen. Gerade darin liegt die Stärke dieser EP: Sie wirkt finster, aber nicht platt, anspruchsvoll, aber nicht geschniegelt.

Am Ende bestätigt „The Forbidden Fruit“ sehr überzeugend, dass „Pink Sabbath“ bei Tinkicker kein launiger Vergleich, sondern eine ziemlich treffende Charakterisierung ist, die dabei jedoch nicht nach Plagiat riecht: Tinkicker haben genug eigene DNA um sich zu behaupten. Diese Band kann dunkel und schwer klingen, ohne ihren Sinn für Melodie zu opfern, sie kann progressive Akzente setzen, ohne in technische Selbstbespiegelung abzudriften, und sie versteht es, emotionale Abgründe in Songs zu verwandeln, die trotz aller Schwere greifbar bleiben. Der zusätzliche Live-Track „Neon Lights And Transvestites“ rundet das Ganze sinnvoll ab, weil er noch einmal deutlich macht, dass diese Musik auch jenseits des Studios Druck und Präsenz entfaltet. Wer auf schweren Rock und Metal mit düsterem Kern, atmosphärischer Tiefe und einem Schuss progressiver Eigenwilligkeit steht, findet hier eine EP, die ihren Titel nicht zufällig trägt: verführerisch, unerquicklich und genau deshalb schwer loszuwerden.
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Tracklist

1 Spitting Venom
2 He Said / She Said (2025)
3 There's Not Enough Drugs in the World
4 Mother Valium (2025)
5 Neon Lights and Transvestites (Live in Copenhagen 2024)