In der Wiener Underground-Szene sorgt ein Trio gerade für ordentlich Wirbel: Topsy Turvy kündigen ihr neues Album „Fighting The Ginormous Macho Nacho“ an. Die drei Musikerinnen aus Wien liefern darauf zehn Songs voller Energie, Haltung und schräger Ideen. Der Titel klingt erst mal wie ein Comic, hat aber einen ziemlich realen Hintergrund. Ausgangspunkt war eine Begegnung mit einem Musiker aus der lokalen Szene, dessen Verhalten so übergriffig und respektlos war, dass daraus schließlich eine überzeichnete Figur entstand – der „Ginormous Macho Nacho“. Statt mit erhobenem Zeigefinger zu reagieren, entschieden sich Topsy Turvy für eine andere Methode: Humor, Fantasie und eine gute Portion musikalische Rebellion.
Genau dieser Ansatz zieht sich durch das ganze Album. „Fighting The Ginormous Macho Nacho“ ist keine trockene Abrechnung, sondern eher ein wilder musikalischer Ritt durch verschiedene Sounds. Post-Punk trifft hier auf Space-Age-Glam, Surf-Gitarren auf Vintage-Psychedelia und Garage-Rock auf den rauen Spirit von Punk aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern. Zwischendurch blitzen Einflüsse von Bands wie Au Pairs, Romeo Void oder The B-52s auf – verspielt, leicht schräg und immer mit ordentlich Druck nach vorne. Mit zehn Songs und einer Spielzeit von rund 28 Minuten bleibt das Album angenehm kompakt. Kein unnötiger Ballast, stattdessen kurze, direkte Tracks, die schnell auf den Punkt kommen. Trotzdem nimmt sich die Band auch Raum für kleine Überraschungen. Ein Beispiel dafür ist „The Wind“, ein ruhigerer Song mit deutlichen Kate-Bush-Vibes, der auf dem Album fast wie ein kurzer Moment zum Durchatmen wirkt.
Entstanden ist das Ganze ziemlich klassisch im DIY-Stil. Die Songs wurden gemeinsam im Proberaum geschrieben und aufgenommen, oft aus spontanen Jam-Sessions heraus. Typisch für Topsy Turvy: Die drei Multi-Instrumentalistinnen wechseln von Song zu Song ihre Rollen. Mal steht jemand am Bass, dann wieder an der Gitarre oder hinter dem Schlagzeug. Diese Offenheit sorgt dafür, dass jeder Track ein bisschen anders klingt und die Platte insgesamt eine angenehm unberechenbare Dynamik bekommt. Auch textlich bewegt sich die Band irgendwo zwischen Ironie, Beobachtung und klarer Kante. Eigentlich wollten Topsy Turvy nach eigener Aussage nie eine Band sein, die mit konkreten politischen Botschaften arbeitet. Doch manchmal bringt einen das echte Leben eben doch dazu. „Wir wollten nie wirklich politisch sein“, sagt die Band, „aber dann ist es doch passiert. Wir waren wirklich wütend auf den Macho Nacho.“ Genau diese Mischung aus Wut, Witz und Kreativität macht das Album spannend. Der Name Topsy Turvy stammt übrigens aus der Comicreihe „Mr Men“ von Roger Hargreaves – und genauso verspielt wirkt auch die Musik des Trios. Respektlos, clever und mit viel Spaß am Chaos liefert die Band einen Soundtrack, der irgendwo zwischen Wiener Underground, Punk-Attitüde und schrägem Pop pendelt.