„DER SONNE IMMER NÄHER“: Tream trifft Bausa
Nach dem Nummer-eins-Erfolg von „STAMMTISCHPAROLEN“ folgt bei Tream mit „DER SONNE IMMER NÄHER“ das Stück, das das Repack des Albums komplettiert. Inhaltlich geht es weit zurück, lange vor Chartplatzierungen und den Punkt, an dem Musik zum Beruf wurde. Tream erzählt von einer Zeit, in der die Studiomatratze als Schlafplatz herhalten musste, von Umwegen und einem Weg nach oben, der alles andere als gerade verlief. Seine ländliche Heimat gehört ebenso zu dieser Rückschau wie die Erinnerung an den Kampf seines Vaters. Der Song arbeitet damit nicht mit einer erfundenen Aufsteigerfigur, sondern greift konkrete Stationen aus Treams Biografie auf. Das Ziel ist zwar der Erfolg, erzählt wird jedoch vor allem, was davor lag. Gerade die Studiomatratze ist so ein Detail, das mehr über diese Jahre verrät als eine lange Erfolgsgeschichte in Hochglanz. Wer dort schläft, hat jedenfalls noch keine große Diskussion darüber, welche Suite nach dem Konzert die schönere Aussicht bietet. „DER SONNE IMMER NÄHER“ betrachtet diesen Abstand zwischen Ausgangspunkt und Gegenwart und nimmt dafür bewusst die weniger bequemen Kapitel mit.
Bausa kommt mit einer eigenen Perspektive hinzu. Statt lediglich Treams Geschichte zu kommentieren, stellt er ihr seinen persönlichen Weg gegenüber. Einsamkeit und Leiharbeit gehören zu den Stationen, die in seiner Rückschau auftauchen, bevor Musik zum entscheidenden Meilenstein wird. Damit treffen in „DER SONNE IMMER NÄHER“ zwei Biografien aufeinander, die nicht identisch verlaufen sind, sich aber an einem wesentlichen Punkt berühren. Beide erzählen davon, wie weit der Weg bis zu einer selbst aufgebauten Musikkarriere sein kann. Herkunft wird dabei nicht zur hübschen Kulisse für eine Erfolgserzählung zurechtgelegt. Bei Tream führen die Erinnerungen zurück aufs Land, zur eigenen Anfangszeit und zur Geschichte seines Vaters. Bausa bringt Erfahrungen aus einem anderen Lebenslauf ein und nennt mit der Leiharbeit einen sehr konkreten Teil seiner Vergangenheit. Das gemeinsame Stück bekommt dadurch zwei Blickwinkel auf dieselbe Grundidee: Entscheidend ist weniger das Bild vom Ankommen als die Strecke, die überhaupt dorthin geführt hat. Der Titel „DER SONNE IMMER NÄHER“ fasst dieses Prinzip ziemlich direkt zusammen. Schrittweise nach oben, auch wenn zwischendurch reichlich Geröll auf dem Weg liegt.
Innerhalb des Repacks übernimmt der Song damit eine klare Funktion. Nach dem Erfolg von „STAMMTISCHPAROLEN“ geht der Blick nicht einfach zum nächsten Karrierepunkt, sondern zurück an die Anfänge. Tream macht aus dem erreichten Status keinen Selbstzweck. Stattdessen stehen Studiomatratze, Heimat, Umwege und familiäre Erinnerungen neben dem heutigen Erfolg. Bausas Part erweitert dieses Bild um Einsamkeit und Leiharbeit und verhindert zugleich, dass aus dem Stück eine reine Tream-Retrospektive wird. Beide Lebensläufe treffen sich in der Vorstellung, den entscheidenden Weg aus eigener Kraft gegangen zu sein. Genau daraus bezieht „DER SONNE IMMER NÄHER“ seinen Inhalt: nicht aus einer allgemeinen Durchhalteparole, sondern aus benannten Erfahrungen der beiden Musiker. Für das Repack ist das ein passender Schlusspunkt, weil der Song Erfolg nicht isoliert betrachtet, sondern Herkunft und Gegenwart direkt nebeneinanderstellt. Vom Schlafplatz im Studio beziehungsweise der Leiharbeit bis zur Musik als beruflichem Meilenstein liegen zwei unterschiedliche Geschichten. Am Ende landen sie im selben Track – und bei einer Frage, die nach einem Nummer-eins-Erfolg durchaus interessant ist: Wie sah das Leben eigentlich aus, bevor die Leute die Songs kannten?
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