Cover: Vanillaboys - Traum
7/8
mix1 Bewertung

Vanillaboys: „Traum“ zwischen Techno und Liebe

Die Vanillaboys machen ihren ersten offiziellen Release auf Kontor Records klar. „Traum“ trägt zwar einen ziemlich sanften Namen, bleibt musikalisch aber in jener Clubwelt, in der sich der Kölner Act seit seiner Gründung bewegt. NuTrance, Hard-Techno und Schranz gehören ebenso zum musikalischen Vokabular der Formation wie Einflüsse aus Hip-Hop und Indie. Eine Kombination, bei der auf dem Papier erst einmal einiges gleichzeitig durch die Tür möchte. Bei den Vanillaboys gehört genau diese Mischung allerdings zum Konzept. Entstanden ist das Projekt aus einer engen Freundschaft, anschließend entwickelte sich daraus ein Techno-Live-Act mit Fokus auf harte Tracks und eine Performance, bei der das Geschehen nicht einfach hinter Decks verwaltet wird. „Traum“ verschiebt innerhalb dieses Rahmens nun den inhaltlichen Schwerpunkt. Statt ausschließlich über Tempo und Club-Energie zu funktionieren, bekommt der Track eine persönliche Ebene. Liebe, Vertrauen und eine Verbindung zwischen zwei Menschen bilden den Kern des Songs. Gemeint ist eine Beziehung, die das eigene Leben so verändert, dass es sich wie ein Traum anfühlt. Kitschgefahr? Bei so einem Thema natürlich nie komplett ausgeschlossen. Die Vanillaboys packen den Gedanken allerdings in ihren eigenen Clubsound und bleiben damit musikalisch auf bekanntem Terrain.

Gerade dieser Kontrast macht „Traum“ innerhalb der bisherigen Beschreibung des Acts interessant. Härtere elektronische Spielarten und eine Liebesbotschaft müssen schließlich keine getrennten Veranstaltungen sein. Die Vanillaboys nehmen die Energie ihres Live-Konzepts und stellen ihr diesmal einen Text gegenüber, der deutlich persönlicher angelegt ist. Das passt auch deshalb, weil die Formation ohnehin nicht sauber in eine einzelne elektronische Schublade passt. NuTrance trifft auf Hard-Techno und Schranz, daneben tauchen Hip-Hop und Indie als weitere Bezugspunkte auf. Die Mischung erklärt, warum sich der Act nicht ausschließlich über klassische Techno-Koordinaten definiert. Gleichzeitig bleibt der Club der zentrale Ort für die Musik. Dort zählen Druck, Bewegung und direkte Reaktion – Eigenschaften, die auch den bisherigen Weg der Kölner geprägt haben. „Traum“ versucht diese Seite nicht glattzubügeln. Vielmehr bekommt der bekannte Ansatz einen anderen textlichen Gegenpol. Das Thema ist schnell verstanden, ohne dass dafür eine komplizierte Geschichte gebaut werden müsste: Zwei Menschen vertrauen einander, Liebe verändert den Blick aufs Leben, aus Alltag wird im besten Fall etwas, das sich kaum real anfühlt. Mehr Drama braucht die Nummer dafür nicht. Und vielleicht ist gerade das ganz angenehm. Zwischen Schranz, NuTrance und Hard-Techno darf schließlich auch mal jemand verliebt sein, ohne vorher die Kickdrum an der Garderobe abzugeben.

Für die Vanillaboys markiert der Song zugleich einen neuen Abschnitt auf Labelseite. „Traum“ ist ihre erste offizielle Veröffentlichung über Kontor Records und bringt den Kölner Techno-Live-Act damit unter das Dach eines Labels, das seit vielen Jahren eng mit elektronischer Clubmusik verbunden ist. An der Grundidee der Formation ändert das erst einmal nichts. Ausgangspunkt bleibt die Freundschaft hinter dem Projekt, aus der sich ein Live-Konzept mit hoher Bühnenenergie entwickelt hat. Genau dort wollen die Vanillaboys offenbar nicht als anonyme Techno-Absender funktionieren. Ihre eigene Beschreibung fällt entsprechend wenig zurückhaltend aus: böse Tracks zum Bouncen, maximale Energy und eine Live-Performance, die zum Wiedererkennungsmerkmal werden soll. Übersetzt aus dem bandeigenen Hochgeschwindigkeitsmodus heißt das: Die Musik ist auf körperliche Clubwirkung ausgelegt, die Show gehört fest zum Gesamtbild. Der neue Track ergänzt dieses Profil um ein konkretes Beziehungsthema, ohne daraus gleich einen kompletten Kurswechsel zu basteln. Wer also beim Namen „Traum“ plötzlich Ambient-Flächen, Räucherstäbchen und musikalischen Tiefschlaf erwartet, dürfte bei den Vanillaboys eher falsch abgebogen sein. Hier bleibt der Traum für den Club gedacht. Nur die Geschichte dahinter ist diesmal eine andere. Und falls bei der nächsten Show noch jemand rätselt, welche Boys da vorne zwischen NuTrance, Schranz und Hard-Techno unterwegs sind: Die Antwort steckt bekanntlich schon im Namen. Es sind einfach Vanillaboys.

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