„NOW – Yearbook 1971“: 81 Songs auf vier CDs
Vier CDs, 81 Tracks und eine Gästeliste, für die andere Compilations vermutlich einen ziemlich großen Backstagebereich bräuchten: „NOW – Yearbook 1971“ widmet sich komplett einem einzelnen Musikjahr. Das Set erscheint im Hardback-Buch-Format und bündelt verschiedene Strömungen, die damals parallel durch Rock, Pop und Soul liefen. Statt die Auswahl auf eine bestimmte Szene oder Stilrichtung zu beschränken, stehen große Namen neben unterschiedlichen musikalischen Ansätzen. John Lennon und Paul McCartney sind vertreten, ebenso The Who, Rod Stewart und Elton John. T. Rex bringt Glam Rock ins Spiel, während Diana Ross und Marvin Gaye die Soul-Seite der Zusammenstellung prominent besetzen. Dazu kommen Elvis Presley und The Beach Boys. Schon anhand dieser Auswahl wird klar, wie weit die 81 Stücke stilistisch auseinanderliegen können. Classic Rock gehört ebenso zum Programm wie Singer-Songwriter-Aufnahmen, Soul, Glam Rock und früher Pop. Das macht die vier CDs weniger zu einer eng umrissenen Genre-Sammlung als zu einem Querschnitt durch ein Musikjahr, in dem verschiedene Entwicklungen gleichzeitig stattfanden. Wer bei historischen Compilations gern zwischen unterschiedlichen Stilen wechselt, muss hier also nicht nach jeder dritten Nummer die CD austauschen – höchstens irgendwann nach der zwanzigsten.
Interessant ist vor allem die Zusammenstellung der Künstler. John Lennon und Paul McCartney stehen hier als eigenständige Namen nebeneinander, The Who repräsentieren eine andere Ecke der Rockmusik, Rod Stewart wiederum eine weitere. Elton John gehört ebenfalls zu jener Generation von Songwritern und Interpreten, deren Musik das Jahrzehnt prägen sollte. Mit T. Rex findet der Glam Rock seinen Platz innerhalb des Sets. Auf der anderen Seite des stilistischen Spektrums stehen Diana Ross und Marvin Gaye, zwei zentrale Namen des Soul. Elvis Presley bringt wiederum eine Karrieregeschichte mit, die weit vor dem Zeitraum dieser Compilation begonnen hatte. Ähnliches gilt auf andere Weise für The Beach Boys. Genau solche Konstellationen machen ein Yearbook-Konzept interessant: Es sortiert Musiker nicht danach, wann ihre Karriere begann oder welchem Genre-Regal sie später zugeordnet wurden. Entscheidend ist ihre Musik innerhalb des ausgewählten Jahres. Dadurch begegnen sich auf vier CDs Künstler, deren Platten im heimischen Regal möglicherweise deutlich weiter voneinander entfernt stehen würden. Die 81 Tracks bilden entsprechend keine lineare Erzählung und müssen auch keine sein. Classic Rock kann neben frühem Pop auftauchen, Singer-Songwriter-Material trifft auf Soul, Glam Rock bekommt seinen eigenen Platz. Das Hardback-Buch-Format passt zu diesem Archivgedanken. Die Compilation ist nicht bloß eine lange digitale Playlist, sondern ein physisches Set, dessen vier Tonträger das musikalische Material in einen klar umrissenen Rahmen packen.
„NOW – Yearbook 1971“ funktioniert damit vor allem über Umfang und Kontraste. 81 Titel bieten genug Platz, um nicht nur einen einzelnen musikalischen Trend abzubilden. Gleichzeitig bleibt der zeitliche Fokus eng: Alles dreht sich um dasselbe Jahr. Gerade die Kombination aus John Lennon, Paul McCartney, The Who, Rod Stewart, Elton John, T. Rex, Diana Ross, Marvin Gaye, Elvis Presley und The Beach Boys verdeutlicht, wie unterschiedlich populäre Musik innerhalb dieses Rahmens ausfallen konnte. Gitarrenorientierter Classic Rock, die aufkommende Glam-Rock-Ästhetik, stärker auf einzelne Songwriter zugeschnittene Stücke, Soul und Pop teilen sich dasselbe Set. Für Hörer, die Musikgeschichte lieber anhand konkreter Songs als über lange Abhandlungen erkunden, ist das ein ziemlich direkter Ansatz: CD einlegen und hören, was nebeneinander existierte. Zugleich eignet sich die Sammlung für Leute, die einzelne bekannte Namen bereits im Regal haben, aber einen breiteren Querschnitt suchen. Denn der eigentliche Reiz liegt weniger darin, einen bestimmten Künstler möglichst vollständig abzudecken. Dafür wären vier CDs bei dieser Besetzung ohnehin schnell verbraucht. Stattdessen bündelt das Yearbook zahlreiche Perspektiven auf denselben Zeitraum. So stehen Solokünstler neben Bands, Rock neben Soul und etablierte Karrieren neben Musikströmungen, die zu diesem Zeitpunkt neue Konturen bekamen. Das Ergebnis ist ein 81 Tracks starkes Zeitdokument im Hardback-Buch-Format – kompakt genug fürs Regal, musikalisch aber deutlich größer als seine vier CDs zunächst vermuten lassen.