ESC: Schweiz setzt auf Song „Alice“ von Veronica Fusaro
Wenn Veronica Fusaro mit „Alice“ auf die ESC-Bühne geht, bringt sie keinen klassischen Pop-Beitrag mit, der einfach nur auf große Refrains setzt. Der Song wirkt eher wie eine kleine Geschichte, die sich langsam entfaltet. Musikalisch bewegt sich der Track zwischen Alternative-Pop und Rock, getragen von einer Energie, die sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Besonders spannend: Der walzerartige 6/8-Rhythmus gibt dem Song zunächst etwas Leichtes und beinahe Schwebendes, bevor markante Gitarrenriffs die Atmosphäre deutlich verdichten. Genau dieses Wechselspiel sorgt dafür, dass „Alice“ nicht einfach nur ein weiterer Wettbewerbssong ist, sondern eher ein Stück mit dramaturgischer Spannung. Statt einfacher ESC-Formel setzt Fusaro auf Atmosphäre, Dynamik und eine Botschaft, die über den Song hinausgeht.
Inhaltlich erzählt „Alice“ von einer Realität, die wenig mit Märchen zu tun hat. Die Figur steht stellvertretend für Frauen, die Grenzüberschreitungen erleben – oft in Formen, die nicht sofort sichtbar sind. Dabei geht es nicht nur um körperliche Gewalt, sondern auch um psychischen Druck, Machtmissbrauch und Kontrolle. Der Song zeigt, wie Zuneigung manchmal als Tarnung für problematisches Verhalten benutzt wird. Besonders stark ist dabei ein Detail im Konzept des Titels: Obwohl der Song nach Alice benannt ist, kommt sie selbst im Text kein einziges Mal zu Wort. Damit wird hörbar gemacht, wie Betroffenen in solchen Situationen häufig ihre Stimme genommen wird. Fusaro greift dieses Thema mit einer Mischung aus Emotionalität und Klarheit auf, ohne dabei in Pathos abzurutschen. Statt großer Dramatik setzt der Track auf eine dichte Atmosphäre und eine klare Botschaft.
Dass Veronica Fusaro mit solchen Themen auf großen Bühnen überzeugt, überrascht eigentlich kaum. Die Schweizer Musikerin hat sich in den letzten Jahren Schritt für Schritt eine internationale Live-Reputation aufgebaut. Über 600 Konzerte im In- und Ausland haben ihr einen Ruf als starke Performerin eingebracht. Von Festivalbühnen bis zu großen Venues war sie bereits in unterschiedlichsten Settings unterwegs. Auch ihr musikalischer Werdegang zeigt diese Entwicklung: Nach der Auszeichnung als „SRF 3 Best Talent“ folgten mehrere erfolgreiche Releases. Ihr Debütalbum „All the Colors of the Sky“ erreichte hohe Chartplatzierungen und machte sie einem breiteren Publikum bekannt. Mit dem zweiten Album „Looking for Connection“ setzt sie diesen Weg fort. „Alice“ passt genau in diese Phase ihrer Karriere – ein Song, der musikalische Energie mit einer klaren Haltung verbindet und damit zeigt, dass Pop auch gesellschaftliche Themen transportieren kann.
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